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Der Anfang · 1913-10-01 · Heft 6 (Oktober 1913) · p. Seite 174

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Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 6 (Oktober 1913)
Date
1913-10-01
Page
Seite 174 (sequence 14)
Language
German
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Eine heimliche Loge Von Otto Piper, Jena. Wer unsere heutige Zeit mit offenen Augen betrachtet, der findet viel Streben, viel Suchen, viel Sehnen. Mehr als in deT vorigen Generation. Darum stehen wir den alten so feindselig gegenüber. -Das Neue ist immer zunächst das Böse. Es ist freilich auch viel Leid und Schmerz und Enttäuschung unter uns Jungen. Das ist die tragische Schönheit der Jugend (— alle echte Sdhötnheit ist tragisch —), daß sie so hoch strebt und so oft enttäuscht wird. Das muß so sein. Aber manche Enttäuschung trüge sich leichter und manches Leid wäre geringer, wenn man nicht so allein stünde. Ganz allein seinen Schmerz in sich hineinfressen müssen, keinen Mithelfenden, Mitfühlenden, Mitleidenden zu kennen, das ist so furchtbar. Es scheint so viele Bunde der Strebenden und Suchenden zu geben. Den Wandervogel z. B. kann man gar nicht genug preisen. Dem ist nicht so. Früher vielleicht einmal. Es gibt imi Wandervogel genug, die hinaus wollen aus der Gegenwart Ahnende neuer Zeiten. Aber sie sind es nicht mehr, die im Wandervogel den Ton angeben. Der Wandervogel ist längst etwas anderes geworden. Soweit nicht satte Genügsamkeit in ihm herrscht, ist er auf dem besten Wege, ein ideutschnationaler Kulturbund zu werden. Wobei man über seinen kulturellen Wert noch streiten kann. Ich spreche dabei von allen Wandervogelbünden. Noch ist es ja so, daß im Wandervogel die am meisten Strcbendcnsind. Aber er kann sie nicht mehr befriedigen. Sie bleiben darin, um nur überhaupt eine Möglichkeit zu haben, mit Gleichgesinnte» zusammenzukommen. Wenn man da einen neuen Bund schüfe, der diese Menschen vereinigte! Jungen und Mädchen. Es ist schwer zu sagen, wer mehr leidet. Die Jungen unter der Schule, die Mädchen unter der Konvention. Und wer leidet, sehnt sich. Wenn wir eine Gemeinschaft hatten! Gemeinschaft gibt Mut und Kraft. Und die haben wir alle nötig. Selbst den Stärksten überkommt dann und wann eine Stunde, wo er ermattet und verzagt. Freilich, wir selbst sind mit daran schuld, daß wir noch keinen solchen Bund haben. Seelenfeigheit, du hast Recht, Kameradin. 174

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