Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 6 (Oktober 1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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selligkeit und nur ein Anhängsel der älteren Generation, beginnt sidi auf sich selbst zu besinnen. Sie versucht, unabhängig von den trägen Gewohnheiten der Alten und von den Geboten einer häßlichen Konvention sich selbst ihr Leben zu gestalten. Sie strebt nach einer Lebensführung, die jugendlichem Wesen entspricht, die es ihr aber zugleich auch ermöglicht, sich selbst und ihr Tun ernst zu nehmen und sich als einen besonderen Faktor in die allgemeine Kulturarbeit einzugliedern." So etwas sagt man nicht, wenn man nur im Sinn hat, sich für zwei Tage blauen Dunst vorzumachen. Hier ist ein Wille zu jahrelanger ernster Arbeit ausgesprochen, und zwar zu einer Arbeit, wie sie bislang noch nicht getan worden ist. Diejenigen, die diesen Satz unterschreiben, müssen sich darüber klar werden, daß sie damit sich und die Ihrigen auf eine neue Bahn führen, auf eine Bahn, die nicht bloß entdeckt, sondern die auch noch gebaut werden muß. Dieser Satz ruft nicht nur zum Kampfe und nicht nur zur Arbeit, sondern er ruft zum Schaffen. Für die neue Jugendkultur, die wir alle suchen, gibt es kein Rezept. Es ist sdiön, daß die neue Bewegung auch nicht mit dem Versuch eines Rezeptes beginnen will, daß sie nicht aus Buchstaben, sondern aus dem Geiste heraus schaffen will, was ihr zu schaffen obliegt. Wir beginnen mit einem Feste. Das heißt, wir lassen unsern Instinkt, unsere Ahnung, unsere Liebe, unsere Lust zu Worte kommen, ungefälscht und ungetrübt durch Begriffsklitterung. Wird dieser Glaube an uns selbst durch uns gerechtfertigt werden? Das ist die große Frage, der Punkt, wo bei manchem der Zweifel einsetzt. Es ist in Aussicht genommen, in größeren Abständen, vielleicht alle zwei Jahre, den Jugendtag zu wiederholen. Wie werden wijr auf dem zweiten Jugendtage zusammenkommen? Wie werden wir uns in die Augen sehen oder werden wir vielleicht gar nicht kornm(fn, um nicht vor den I loffnimgen unseres ersten Festes erröten zu müssen? Für die Jugend hat noch jedes Jahr ein anderes Gesicht. Zwei Jahre, das ist ein großer Sprung. Die Flamme, die an diesem Fisk entzündet wird, wird nicht genügen, um über zwei Jahre hinweg de:: Weg zu erleuchten. Wo ist die Stimme, die den Klang dieses Festes fortleitet, wo der Herd, der das Feuer dieses Festes aufbewahrt? Der „Anfang" will diese Stimme sein und dieser Herd. Das 162