Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (September 1913)
- Date
- 1913-09-01
- Page
- Seite 147 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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kleiner Bruchteil der Oberlehrer beginnt, der Jugend mehr als bisher ihr Recht widerfahren zu lassen? Heil ihnen; ihre Tätigkeit wird durdi die Anhänglichkeit einer so leicht'zu gewinnendien, so dankesfreudigen Jugend überreidhliclh belohnt. Und! wir sind die letzten, die nicht anerkennen, was anzuerkennen ist, auch wenn es sich fast immer nur um Leistungen handelt, die in unsern Augen selbstverständlich sind. Aber es wäre doch eine echte deutsche Michelei, um dieser wenigen Gerechten willen schon wieder in Rührung und Verehrung zu ersterben und sich die Schlafmütze über die Ohren zu ziehen. Wieviel vermögen diese wenigen gegen das ganze System, den ganzen Geist des Systems? Muß denn immer jeder nur an sich denken? Schmachtet nicht noch weit und breit eine ganze Jugend? Die von uns erzählten Fälle sind doch eben Tatsachen. Genügt denn das nicht? Wollt Ihr, daß die, die sie erleben, nicht einmal den Mund aultiin, um den schonen Frieden nicht zu stören? 3. Gewiß will der Klassenspiegel aueih so etwas wie eine humoristische Ecke sein, ein Sdiul-Simplizissimus; aber eben, wie der Simplizissimus selbst, mit einem sehr ernsthaften Hintergrunde. Man muß ihn nur mit Nachdenken lesen. Er bringt gern einfache Momentaufnahmen ohne Kommentar, und möchte eben dadurch der Jugend den Blick für die mancherlei Komik in ihren Erlebnissen schärfen. Wie kostbar symbolisch, ja geradezu unsterblich1 ist der Ausspruch jenes Geschichtsprofessors: „Bloßes Wissen nützt mir nichts, lernen muß man!" War der nicht allein schon wert, sidh die betr. Nummer des „Anfangs" zu kaufen? Ja, wir wollen wirklich die Jugend zur Satire, zum Witz erziehen (man denke!), nidht nur um ihr ein Mittel an die Hand zu geben, mitunter leichter über ihr Los hinwegzukommen, sondern auch, um sie manches erst im richtigen Lichte sehen zu lehren. 4. Wenn nun aber, anstatt hervorstechender, bezeichnender Anekdoten, wirklich der Normal betrieb z. B. des Literaturunterrichfs im Klassenspiegel vorgeführt werden könnte, die alltägliche Behandlung künstlerischer Werte — ja, wer glaubt denn eigentlich, daß die Schule dabei besser wegkommen würde? Macht nur erst mal ernstlich die Augen auf, wagt hohe und hötiiste Ansprüche zu stellen, seid nicht zufrieden mit dem noch gerade Erträglichen und f {albguten — ob Ihr dann noch den Klassenspiegel ungerecht finden werdet? Dr. W. 147