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Der Anfang · 1913-09-01 · Heft 5 (September 1913) · p. Seite 132

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Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 5 (September 1913)
Date
1913-09-01
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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Mensch wissen, was gut und böse ist. Am natürlichsten, reinsten und schönsten bilden sich diese Begriffe freilich durch den Mythos, in dem die Mächte gut und böse von anfänglicher natürlicher Oleichberechtigung her sich zu sittlichen Notwendigkeiten entwickeln. (Wo aber gibt man der jugend heute einen Mythos. Sie verbringt ihre wirre Zeit auf der Schule, und kein Reifer vermag ganz auszudenken, was hier an zartesten, heiligsten Werten zerstört ist.) In Wahrheit kann der Jugend in der Zeit ihrer Gärung überhaupt kein Mensch, nur ein Gott helfen; der Gott, den sie in sich selbst erlebt: die Offenbarung der Werte. Das heißt: keine Offenbarung von oben her, sondern eine solche, die die Jugend in täglichem Ringen aus sich selbst heraus gebiert. Sie kann sich nicht zufrieden geben mit dem Nichts, mit einem verschleierten Bilde, sondern arbeitet sich empor zu den Werten, deren reiner Anblick ihr nicht tödlich, nein, lebensnotwendig ist. Täglich werden sie ihr fühlbarer; sie wachsen ins Maßlose, sind überwältigend groß. Betäubt steht der Verstand und kann nichts Bestehendes an ihnen messen; sie offenbaren sieh im Rausche. Zwar tut die Offenbarung auch wehe: denn sie bringt die klare Erkenntnis vom Zwiespalt zwischen dem was ist und dem was sein soll. Mit der Gottfreude und dem Weltschmerz der Jugend erkauft die Menschheit sich ihre Sittlichkeit. Nur ein Teil der Jugend, den ihr guter Genius, der der Genius der Menschheit überhaupt ist , hier nicht verlassen hat,, wird diese Schwelle zum Menschentum überschreiten uud den ersten Schritt tun können: zum Ausbau und zur Vertiefung des religiösen Grunderlebnisses zu einer Weltanschauung (die ja durchaus auf religiösem Erleben beruhen muß). Der junge Mensch also — um noch einmal den Gegensatz zum Kinde zu formulieren —der junge Mensch wertet, sein Standpunkt ist ein ethisch-kritischer. Das Kind fragt nach „Warum" und „Wozu"; erst der junge Mensch fragt: „In welchem Zusammenhang steht diese Erscheinung mit •dem Weltganzen" und: „ist sie gut?" „ist sie böse?" — und muß sich die Antwort auf diese Fragen, wenn anders sie für ihn fruchtbar sein soll, in eigenem Ringen selbst erarbeiten. Herauszutreten aus der Bedingtheit der Milieuwelt und mit Hilfe der Werte den Kosmos sich* auf zubauen: das ist der Jugend eigenste Arbeit ihr innerster Beruf. 132

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