Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 3 (Juli 1913)
- Date
- 1913-07-01
- Page
- Seite 74 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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„Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?" So lautet bekanntlich das Thema der akademischen Antrittsrede, die Schiller am *26. Mai 1789 in Jena hielt. Dies Thema nun hat auf deutschen Schulen ein sonderbares! Schicksal gehabt. Bei allem ehrlichen und vorgeschriebenen Respekt nämlich, den unsere Oberlehrer vor den konzessionierten „Klassikern" zu bekunden pflegen, fühlen einige von ihnen doch eine Art von perversem Vergnügen, wenn sie mitunter diesen ihren Brotgebern einmal ungestraft in die Beine beißen dürfen. Und diese schöne Gelegenheit pflegt sich da zu bieten, wo den verehrungswürdigen Großen mal ein kleiner Sprachschnitzer unterläuft. Da weiß auch der kleine Magister sich durch den ehernen Schild der Grammatik gegen die im deutschen Unterricht ewig drohenden Blamagen gedeckt und genießt seiner Macht, wenn nicht einmal die Klassizität gegen die rote Tinte immun macht. Mitunter freilich fällt man dennoch herein, und so z. B. bei dem angeführten Thema. Wie lautete doch die tausendfach wiederholte Schulsacksweisheit? Hier hat der Schiller einen grammatischen Fehler gemacht: er hat das Wort „Universalgeschichte" gleichzeitig alsi Nominativ und Akkusativ gebraucht; denn, nicht wahr? „was heißt Universargeschichte?" Nominativ; und: „wie studiert man Universalgeschichte?" Akkusativ. Ja, Jungens, sowas muß man merken, dafür muß man ein Organ haben! Und Schiller? Diesmal nicht tu retten? O doch, sehr einfach. „Was heißt (= nennt) man und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?" Alles? in Ordnung, so war es gemeint, beide Male Akkusativ. Ei des Kolumbus', Herr Professor, was? Wenn aber der Herr Professor an der Ueberschrift dieser Abhandlung noch nicht gescheitert sein sollte, so besteht er hoffentlich auch die Probe ihres Inhaltes. Sie beginnt nämlich mit einer höchst fatalen Gegenüberstellung des „Brotgelehrten" und des „philosophischen Kopfes"; von ersterem wird unter anderem gesagt: „Seine größte Angelegenheit ist jetzt, die zusammengehäuften Gedächtnisschätze zur Schau zu tragen und ja zu verhüten, daß sie in ihrem Werte nicht sinken. Jede Erweiterung seiner Brotwissen- 74