Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 33 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2709933-3186105-3186108--141-3186180- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Finde dich selbst Von Wilhelm Ostwald Vorbem erku ng Obwohl unsere Zeitschrift grundsätzlich der Jugend vorbehalten ist, so Wollen "Wir doch gern von Zeit zu Zeit in ihr Männer und Frauen zum Worte kommen lassen, die sich als Freunde der Jugend bewährt und ihr Wichtiges zu sagen haben. Wir glauben, dass es unsern Lesern erwünscht sein wird, heute einen berühmten Naturforscher und Kulturkämpfer sich über eine Frage äussern zu hören, in der die offizielle Erziehung die Jugend völlig im Stich lüsst. Herrn Prof. Ostwald sprechen wir unser» Dank für seinen Beitrag aus, den er uns nach Empfang unsern ersten Heftes übersandt hat. Die Heraurgeber. Die neueren Forschungen in der Vererbungslehre haben ergeben, daß sich jedes höhere Lebewesen aus einer Anzahl1 voneinander einigermaßen unabhängiger Elemente oder Teilstücke zusammensetzt, welche teils vom Vater, teils von der Mutter stammen, zum Teil auch durch latente Uebertragung namentlich durch die Mutter seitens weiter zurückliegender Vorfahren bestimmt sind. Das Ergebnis, das einzelne Individuum, ist infolgedessen ein Mosaik von .Teilstücken, die von vornherein nicht notwendig zusammenzupassen brauchen und nach »dem Oesetz der Wahrscheinlichkeitsrechnung auch im allgemeinen nicht zueinander passen werden. Daher entsteht für jeden Menschen während seiner Jugendjahre, insbesondere Zwischeu dem dreizehnten und achtzehnten Jahre, die besondere Aufgabe, das zufällige Erbgut, welches sein Wesen zusammensetzt, miteinander in eine harmonische und organische Beziehung zu bringen, dergestalt, daß die vorhandenen wertvollen Eigenschaften nach Möglichkeit sich entwickeln und steigern können, während die weniger wertvollen oder gar schädlichen zurückgehalten, unterdrückt und beseitigt werden müssen. Dieser Umstand gibt der Jugend in dem angegebenen Alter ihre besondere Beschaffenheit, welche charakterisiert ist durch die Arbeit um die Harmonisierung der ursprünglich unharmonischen Wesensbestandteile. Daher das wunderliche Mißverhältnis zwischen Wollen und Sein bei solchen jungen Menschenwesen, das für die männlichen Angehörigen dieses Lebensalters zu dem allgemeinen Begriff FI e g e l j a h r e geführt hat, während die weiblichen als Backfische bezeichnet werden. 34