Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 9 Jahrgang = Jahr 5611 (1850)
- Date
- 1850-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 128)
- Language
- German
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129 Jahre 1848 u. 1649. Der österreichische Feldherr glaubte unter solchen Umständen den Angriff nicht länger aufschieben zu dürfen, und Wien wurve am 28. Oktober aus mehreren Puneten zugleich mit angeblich 139,000 Mann und 300 Kanonen bestürmt. Es war der furchtbarste Tag in Wiens Geschichte, bald stammten die Feuersäulen vieler in Brand gerathener Gebäude auf; der Widerstand war kräftig und entschlossen, aber der Sieg neigte sich bald den kaiserlichen Fahnen zu. Um Mittags waren bereits mehr als 20 Barikaden an der St. Marxer-Linie, in Erdberg und am kleinen Donauarm in die Hände der Kroaten gefallen, welche zugleich in die Häuser drangen, aus welchen auf sie geschossen worden war, und dort Grausamkeiten verübten, wie die zur Wuth gesteigerte Rohheit sie erwarten läßt. Noch furchtbarer war der Kampf in der Leopoldstadt, welchen ver Brand des OdeonS beleuchtete. Ungeachtet der hartnäckigen Bertheidigung der dort an geeigneten Stellen erbauten, äußerst festen Barikaden, an denen General Bem selbst den Befehl führte, konnte doch das Schicksal Wiens nicht aufgehalten werden. Die Geschütze zerschmetterten diese Bollwerke und die österreichischen Sturmsäulen drangen vorwärts. Um 5 Uhr Abends war auch hier der Sieg entschieden und die Vertheidiger Wiens setzten nur noch von den Wällen der inneren Stadt das Geschützfeuer fort, wodurch sie mehrere vorstädtische Gebäude zerstörten. Der Gemeinderath von Wien fühlte die Nothwendigkeit der Uebergabe, und Messenhaufer sprach zuerst das verhängnißvolle Wort aus, indem er auf die Unzulänglichkeit des Schießbedarfs hinwies. Auch die Nationalgarden der noch unbezwungenen Vorstädte Wieden, Mariahilf. Schottenfeld und Alsergasse gestanden die Fruchtlosigkeit fernern Widerstandes zu, und so reiste der Entschluß, am folgenden Tage dem Fürsten Windischgrätz die Ergebung der Hauptstadt anzuzeigen. Die Sache schien beendet, als zum Verderben Wiens in einem Augenblick, wo nichts mehr zu gewinnen war, die Ungarn und dazu mit allzu geringen Streilkräften vorrückten. Zwei Tage früher hätte ihr ablenkender Angriff von wichtigen Folgen sein wögen, aber am 30. Oktober kam die Schlacht bei Schwe« chat, die, wie vorauszusehen, verloren ging, zur Rettung Wiens