Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 9 Jahrgang = Jahr 5611 (1850)
- Date
- 1850-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 122)
- Language
- German
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Lahre 1848 u. 1849. 123 Widerspruch fand. Der Reichstag ist am 22. Juli durch den Erzherzog Reichsverweser eröffnet, der Kaiser auf dessen mehr als dringendes Ansuchen, nachdem er es wiederholt dem Ministerium abgeschlagen hatte, am 12. August zurückgekehrt und mit Jubel empfangen worden; das Staatsschiff in eine Bahn gelenkt, die der von Metternich eingehaltenen schnurstraks entgegengesetzt ist, schwankt noch aus ungewissem Meere und zittert und dröhnt in allen seinen Fugen. Zu rechter Zeit aber kommt uns noch die willkommene Nachricht, daß der ebenso menschliche als tapfere Radetzky am 6. August, demselben Tage, wo auch in Wien dem deutschen Reichsverweser gehuldigt wurde, seinen siegreichen Einzug in Mailand gehalten, und so für den Augenblick wenigstens wieder gewonnen hat, was Metternich's blinde Schroffheit dem österreichischen Szepter nicht nur verscherzt, sondern entfremdet hatte, und so mögen wir hoffen, Oesterreich aus diesen Kämpfen mächtiger und glücklicher hervorgehen zu sehen als es seit langer, langer Zeit gewesen ist. Eine der bedeutendsten Begebenheit die mit den Phasen der Wiener-Revolution wenigstens mittelbar in Wechselwirkung stand, war derSlavenaufstand in Prag am 12. Juni. Der seit dem Monat März von Prag abwesende commandirende General von Böhmen, Fürst Windischgrätz, hatte nach seiner Rückkehr am 6. Juni sämmtliche Truppen der Prager Besatzung ausrücken lassen, um dieselben zu besichtigen, wobei sie ihrem Führer stürmische „Lebehochs" brachten, was man von Seiten der Czechen für eine Demonstration der rückschreitenden Parthei ansah. Ueberdieß verbreitete sich das Gerücht, Fürst Windischgrätz habe die Höhe von Wischehrad und die Josephskaserne mit Kanonen besetzen lassen. In dessen Folge sendete die Studentenlegion ein Abordnung an das Generaleommando; sie wurde aber abgewiesen. Dazu kamen einige jehr aufregende Reden des in Prag versammelten Slavencongresses und der unfreundliche Empfang, den die Prager czechischen Studenten in der Aula und im Studentenausschüße in Wien erfahren, was Altes eine so gereihte Stimmung unter den Czechen erzeugt hatte, daß am 12. Juni, nachdem bei der Wenzelsstatue auf dem Roßmarkt ein feierlicher Slavengottesdienst abgehalten worden war, das zahlreich ver-