Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 9 Jahrgang = Jahr 5611 (1850)
- Date
- 1850-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 121)
- Language
- German
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122 Rückblick auf die bereits am 3. Juni wurde das Wahlgesetz für den konstituirender Reichstag, an welchen auch die Israeliten wahlberechtigt und wählbar wurden, veröffentlicht. Die Rückkehr Sr. Majestät des Kaisers verzögerte sich inzwischen von Tag zu Tage, sie wurde von Gewährleistungen für die Sicherheit seiner Person und des Reichstags abhängig gemacht, da die Hoffnung auf ungetrübte Erhaltung der Ruhe gering war. Endlich ernannte der Kaiser am 16. Juni, nachdem er durch einen plötzlichen Krankheitsfall am Antritt der fest zugestcherten Reise verhindert worden war, seinen. Oheim, den Erzherzog Johann zum Stellvertreter zur Eröffnung des Reichstags, und dieser traf am 24. Juni mit großer Begeisterung empfangen, in Wien ein. Wenige Tage darauf erhielt er die Nachricht von seiner Erwählung zum deutschen Reichsverweser und entschloß sich, da der Reichstag wegen ermangelnder Mitgliederzahl zur vorausbestimmten Zeit nicht eröffnet werden konnte, noch vorher nach Frankfurt zum Antritt seiner Reichsverweserstelte zu reisen. Freih. v.Pillersdorf welcher den Antrag des Sicherheits Ausschußes, auf Zurückberufung des Fürsten Windischgrätz und Grafen Leo Thun von Prag, entschieden verweigerte legte seine Minister Stelle so wie Freih. Somaruga und von Baumgarten nieder, die sie mit so vieler Aufopferung und Treue geführt. Das folgende Ministerium unter Dobblhoffs Vorsitz, durch Wessenberg für das Aeußere, Graf Baillet de Latour für den Krieg, Dr. Alexander Bach für die Justiz, Kraus für die Finanzen, Theodor Hornbostl für den Handel und Ernst Schwarzer für die öffentlichen Arbeiten gebildet, stützte sich wenigstens in dreien seiner Mitglieder auf Größen, die es durch die Revolution geworden, und hat neuerdings seine sehr entschiedene Absicht, mit dem Strome zu schwimmen , durch Ernennung des Dr. Fischbof, des ersten Israeliten im österreichischen Staatsdienste, zum Ministerialrath zu erkennen gegeben. Von den Israeliten, die von Nah und Fern als Reichstags-Mitglieder gewählt wurden, ragten der edle, humane israelitische Prediger Mannheimer und der treuherzige Jsraelite Dr. Fischhof durch Gesinnung und Beredsamkeit hervor. Auch wäre Dr. Goldmark, ebenfalls jüdischen Glaubens zu erwähnen, dessen Richtung aber manchen nicht ungegründeten