Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 9 Jahrgang = Jahr 5611 (1850)
- Date
- 1850-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 114)
- Language
- German
- Belongs to
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115 Jahre 1848 u. 1849. Sonach erwarten Wir mit Zuversicht, daß die Gemüther sich beruhigen, die Studien wieder ihren geregelten Fortgang nehmen, die Gewerbe und der friedliche Verkehr sich wieder beleben werden. Dieser Hoffnung vertrauen Wir umsomehr, als Wir Uns heute in Euerer Mitte mit Rührung überzeugt haben, daß die Treue und Anhänglichkeit, die Ihr seil Jahrhunderten Unseren Vorfahren ununterbrochen, und auch Uns bei jeder Gelegenheit bewiesen habet, Euch noch jetzt wie von jeher beseelet. Die Nachricht von der Ankunft der ungarischen Oppositionsmänner Kossuth und Bathyany vermehrt die Freude. Erzherzog Stephan war des Morgens auch angekommen, man hatte ihm die Pferde ausgespannt und ihn in die Burg gezogen. Donnerstag Morgens bildet die Nationalgarde Spalier durch alle Straßen, durch die der Kaiser fährt. Der Jubel ist endlos da er erscheint. Vor seinem Erscheinen auf dem Universitäts- Platze ziehen die ung. Zuraten mit einer Musikbande über den-' selben hin. Die frischen jungen Gestalten mit den magyarischen Zügen, in ungarischer Tracht, den Säbel an der Seite, machen einen wohlthuenden Eindruck. Endlich erschien der Kaiser ohne alle Bedeckung. Der Jubel, mit dem er überall empfangen wurde, war ihm das sicherste Zeichen, daß er einer solchen nicht bedürfe. Abends großer Fackelzug durch die Hauptstraßen der innern Stadt. Endloser Jubel. Welche Feder vermöchte alle Wonnen dieses Tages zu beschreiben. Das erste censurfreie Blatt in Wien war daS Gedicht „die Universität" von Di*. L. A. Frankl, Aktuar der Wiener Israelitischen Gemeinde. Schade daß dieser Tag durch eine gemeine Demonstration einiger Personen gegen den ehemaligen Bürgermeister Czapka getrübt wurde. Am 17. endlich fand die Beerdigung der Gefallenen Statt. Zahllos war der Zug von Nationalgardisten und Zuschauern. In sieben Leichenwagen wurden sie auf den Schmelzer Friedhof gebracht»