Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 9 Jahrgang = Jahr 5611 (1850)
- Date
- 1850-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 110)
- Language
- German
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Zahre 184-8 u. 1849 111 thue, was sie zu thun Vorhaben u. d. dgl. zu belehren. Endlich war die Ungeduld und das Toben Derer, die auf die Rückkunft der in Begleitung von Studenten nach der Burg gezogenen Stände harrten, nicht mehr zu bewältigen. Militär rückte von allen Seiten heran — und der kommandirende General kommandirte Feuer! Feuer auf die Unbewaffneten, ohne srühern Aufruf, ohne vorausgegangene Mahnung — die Studenten welche noch im Landhause versammelt waren, glaubten, es seien blinde Schüße, — da pfiffen Kugeln gegen das Thor des Landhauses, aus dem nun die Unbewaffneten eilen wollten, und der israelitische Student Heinrich Spitzer fiel der Erste — unter mehreren, denn es fielen leider noch 5 Leichen als erstes Opfer von welchen das Wort „Einigkeit und Bruderschaft" so oft den Tag über Begeisterung erweckt hatte. E s w a r e i n a l l g e m e i n e r S ch r e i der V e rz w e ift lung, der ohnmächtigen Wuth. Die Nachricht, daß man auf die Bürger geschossen, verbreitete sich sogleich in die entferntesten Vorstädte. Auf dem Hofe hieben die Kürassiere drein und es blieben wieder einige Bürger. Doch half auch dieß nicht, die Menge des Volkes auf dem Judenplatze verbarrikadirten von den Studenten unterstützt, die Parisergaffe und das Gäßchen, welches auf den Hof fuhrt. Bald darauf erschien die Linie hinter den Barikaden. Es wurde mit Steinen auf die Soldaten geworfen. Die Linie fegte zuerst mit den Bajoneten und verwundete Einige. Drauf feuerte sie und tctotetej Mehrere. An dem Landhause hat unterdessen die Menge sich nicht vermindert. Damen tauchen ihre Schnupftücher in das Blut der Gefallenen. Ein verwundeter Student wird auf einem erbeuteten Offizierspferde durch die Straßen der Stadt geführt. Die herumziehenden Streifwachen werden von dem Volke verhöhnt. Darauf wendet sich ein Herr an die Soldaten und redet sie an: „Sind Sie Oesterreicher, sind Sie Ehrenmänner, meinen Sie es gut mit Ihrem Vaterlande, so schießen Sie nicht auf ihre Landsleute, die nur das Wohl ihres Vaterlandes wollen. Meinen Sie es gut mit uns. so nehmen Sie die Bajonette herab, zum Zeichen ihrer guten Gesinnung. Es wird Ihnen nichts geschehen, dafür bürge ich Ihnen."