Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 9 Jahrgang = Jahr 5611 (1850)
- Date
- 1850-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 105)
- Language
- German
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406 Rückblick auf die deutung angewendet wissen. Wenn je ein Volk durch die jüngsten Staatsumwälzungen mündig geworden, so sind es die Juden. Ist auch vor der Hand ihre Mündigkeit erst ein verheißenes Wort, das noch hier und da einen weiten, sehr weiten Weg hat, b^s es zur That sich entfalten wird. Doch ist die Bahn gebrochen, das Vorurtheil gelahmt, die Menschen-Rechte auch in Beziehung des jüdischen Volkes, anerkannt worden, danken wir dem Herrscher der Welt, daß es das unverbrüchliche Wort menschenfreundlicher Regenten ist, auf das wir trauen und bauen. Oesterreich, das oft gehöhnte, oft verschriene „Land der Phajaken" das oft in den Hintergrund treten mußte, wenn von Fortschritten geistiger Bildung die Rede war, — möge nun auch einmahl in den Vordergrund treten. Durch die großartige, völkerbeglückende Idee der „Gleichberechtigung aller Nationalitäten" im österreichischen Kaiserreiche — vom großen Geiste und edlen Herzen eines bedeutenden Staatsmannes erfaßt und ins Leben gerufen, sind die Juden schneller unv sicherer zu ihrem Ziele gelangt, als es vielleicht der Fall gewesen wäre, wenn die oktroirte österreichische Verfassung aus einen andern diplomatischen Grundsatz erbauet worden wäre, oder wenn sie ihre sociale Auferstehung einem unliebsamen und angefeindeten Reichstage zu verdanken hätten. So hängt unsere Gleichberechtigung mit dem der anderen Nationalitäten fest zusammen. Will man nun die neue Verfassung, das neu aufgesührte Sraatszebäude aufrecht erhalten, muß man man mag wollen oder nicht — auch den „sonst verachteten Baustein (iDND ptf Dwn) dulden, als einen integrirenden Theil des Ganzen erklären und anerkennen» Wir haben in Tagen der Gefahr unsere Rechte, die Menschenrechte durch Petitionen um eine gnädige Ausnahme nicht entweihen wollen, welche-— auf solche Weise anerkannt, uns von vielen Seiten bestritten worden waren; die Vorsehung wirkte auf eine heilsamere Weise für uns. Die gewichtigen Worte des edlen Mannheimer gingen in Erfüllung. Begeistert und begeisternd sprach er am 17. März 1848 — „Kein Wort von Judenemancipation, wenn es Andere nicht sprechen für uns! Kein Wort, kein Schritt für uns! Keine Petitionen,