Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 255 (sequence 303)
- Language
- German
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Alexandriens Vorzeit. 255 grauenhafte Nacht folgt dem geschwundenen Tageslichte. Und zum dritten 9Natc färbt sich der östliche Horizont, und zum dritten Male vraust die Lobende Menge daher. Da schicken die Juden zum letzten Male ihre hilferufende Stimme zum himmlischen Vater: „Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen 7S). Ich rufe des Tages, du erwiederst nichts, ich rufe des Nachts, und Alles ist stumm. Du bist mein Hort vom Mutterleibs, du bist ja mein Gott und meine Macht. Sei nicht ferne in dem nahenden Drangsal, wo mir keiner hilft. Wilde Stiere umgeben mich, es brüllt das Unthier und öffnet den Rachen. Belfernde Hunde umringt mich die Brut der Uebelthäter. O! rette vom Schwerte mein Leben, vor dem Hunde meine Seele." Bei dem Worte „Hunde" zeigte sich das von wilder Wonne glühende Gesicht des Hierophanten 7 9), dem bald die Ursache seiner unmenschlichen Freude folgte. Es erschien der König und nahm seinen Platz auf einer hohen Tribüne ein. Lisibios war an seiner Seite. Jetzt klatschte Philopator in die Hand, und die wüthenden Elephanten wurden losgelassen,-und stürzten mordgierig hervor. Schon schwangen sie den mächtigen Rüffel, schon schnaubten 'die ungeschlachten plumpen Thiere ihren heißen Hauch in das Gesicht der Vordersten — als es im einstimmigen Chor der Juden erscholl: Höre Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist einzig. Und die entfesselte Wuth der Ungethüme bebte vor dem Namen des Alleinigen zurück; die Elephanten kehrten sich um, und statt die Juden zu zerreiffen, wütheten sie mit rasender Empörung unter den griechischen und ägyptischen Zuschauern so entsetzlich, daß in kurzer Zeit das Feld mit Leichen bedeckt war, während keinem Juden ein Haar gekrümmt wurde;J0). Der Übervölkerung Alexandriens war für kurze Zeit geholfen. -- — Der entsetzte König war indeß in seinen Pallast geflüchtet; mit ihm sein Günstling Lisibios, welchem die plötzliche Wendung des Schicksales sehr ungelegen war. Doch es sollte noch besser kommen. Grausamkeit und Feigheit gehen Hand in Hand. Der Tyrann, Philopator hatte nun schon zweimal den Zorn der Gottheit gereizt, und deren Gewalt empfunden. Nun war der Wüstling ganz verzagt, und suchte daher vor allem den so mächtig sich zeigenden Judengott zu versöhnen. Er erließ sogleich den Befehl, die Juden frei zu lassen, und sie in ihre alten Rechte wieder einzusetzen. Er buhlte förmlich um die Gunst dieses von ihm verachteten Volkes, und überhäufte es mit Wür- 78) Ps. 22. dieser Psalm scheint mir für die Lage der Juden in der Rennbahn sehr paffend. ") Anubis war der Wächter des Jsistempets, wurde mit einem Hundskopfe abgebildet, und unter dieser Gestalt verehrt. *°) in. B. d. Makkabäer