Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 249 (sequence 297)
- Language
- German
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Alexandriens Vorzeit. 249 -ihre Schmach damit zu tilgen, wenn sie den Sklaven laut zurief: Tragt mich zum königlichen Pallaste, um zu zeigen, daß sie dort Bekanntschaften habe. Aber leider — ihr Unstern wollte sie heute gar nicht verlassen, denn vor dem königlichen Pallaste hing eine eherne Tafel, worauf geschrieben stand: „Kein Jude darf hier eingelassen werden" 68). — Der König war nämlich bereits aus Syrien zurückgekehrt. Neue Verordnungen. Immer drohender zog sich das Gewitter über dem Haupte der jüdischen Einwohner Alexandriens zusammen, immer steigerte sich der Grimm des Königs, da er seine Schmach, im Tempel zu Jerusalem erlitten, noch nicht getilgt sah, immer inniger ward Lisibios mit dem Hierophanten vertrauet.-Schon in den nächsten Tagen erschien eine neue königliche Verordnung, die alle Juden ihres Bürgerrechtes verlustig erklärte, und sie von dem Gipfel ihrer Größe hinab stieß Ln das tiefste Elend der Sklaverei ö!)). Da rief Selim seinen Zögling zu sich, und sprach in einem an ihm ungewohnten entschiedenen Tone, kurz und ohne Umschweife: Des Tyrannen Wuth hat kein Maaß und Ziel, und ich will dir eröffnen, was der Zweck deiner Reise hieher gewesen. Ich hätte gewünscht, du möchtest hier den Zustand der Bildung kennen lernen. Dann beabsichtigte dein Vater eine Verbindung zwischen dir und der Tochter des Timothaos, falls diese dir nicht mißfalle. Endlich solltest du hier gewisse Urkunden erheben, die dich über manches Wichtige belehren werden, und die aus Gründen, die du darin verzeichnet finden wirst, seit geraumen Zeiten hier aufbewahrt wurden. Diese drei Gründe veranlaßen mich deine Reise hieher zu befördern. Wohlan denn! Ich übergebe dir hiemit das Lheuere Vermächtniß! Hier sind die Urkunden! Rur noch eine Frage, mein Sohn! Kennst du die Tochter des Timothaos? „Ja meinSelim." Willst du sie ehlichen? „„Du hast mich erzogen, und du glaubst, ich könnte mit ihr glücklich sein?"" „Zwei Ursachen deiner Anwesenheit in Alexandrien fallen demnach weg; die dritte wird wohl die Mühe nicht lohnen. So ziehe heim, Antigon, und gedenke mein zuweilen. Wir müssen scheiden." „„Wie? Ich dich verlassen in einer Zeit der Roth? Dich, meinen Lehrer und Führer?"" sprach Antigon gerührt.-— Binjamin deines Vaters! erwiederte Selim heftig. Dein Vater, der schon diese Reise für eine Sünde hält, weil es heißt: Ihr sollt auf diesem Wege nie wieder dahin zurückkehren T#) dein Vater hat dich mit zagendem Herzen hieher geschickt. Willst du sein greises Haupt mit Kummer in die Gruft bringen? Ziehe **) contra App. Lib, I. Ibid. ,0) Suka 51.