Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 224 (sequence 272)
- Language
- German
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224 Bilder aus Tumultplatze sich vereint zusammen fanden, als hätte die Menschheit einen Ball gegeben. Es schien unserem Helden, als ob er die Märchen einer mileflschen Fabel, (einer Art damaliger Romane) auf das Geheiß eines mächtigen Zauberers verwirklicht sähe. Ihm war es, als ob ein Wirbelwind alles Edelgestein der Erde wie glitzerndenStaub gegen die Sonne triebe, und strahlende Regenbogen mit goldenen Bergen im schwindelndem Tanze sich dreheten; oder, wie er sich ausdrückte, der Himmel auf die Erde gefallen wäre, und Planeten und Kometen im diamantenen Schimmer den Reihen eröffneten, und ihre Sphären-Musik dem sterblichen Ohre zusäuselten. Und über all den Glanz ragte das Weltwunder Alexandriens, der berühmte Leuchtthurm, aus weißen schimmernden Marmor erbaut, der acht Meilen in der Runde sichtbar war, hoch empor. Wie erstaunte er aber erst, als er der vielen zur Schau gestellten Kunst- und Bildwerke ansichtig wurde. Da raffelte ein Wagen daher, worin eine 15 Fuß hohe Frauenstatue saß, 3I) die von Zeit zu Zeit aufstand, und Wein aus einer goldene Schale goß, und sich dann wieder niedersetzte. Dort rollte eine mit Epheu bekränzte Grotte vorüber, aus der lebende Tauben aufslogen, und Quellen von Milch und Wein in ein silbernes reichgeschmücktes Becken sprudelten. Hier schritt eine goldbekränzte Statue (Statua ambulans) durch künstlichen Mechanismus in Bewegung gesetzt, einher; und da war wieder eine Sammlung von seltenen Thieren oder Pflanzen zu sehen: Leoparden, Panther, Luchse, Rhinoceros, weiße Bären, Käfige mit Papageien, Perlhühnern, Fasanen und äthiopischem Geflügel. 'Wohl sah er hier und da auch prächtige Zelte, die wohnlich eingerichtet waren, daß nicht zu zweifeln stand, man habe sie der festen Behausung für einige Zeit vorgezogen; auch schwellende Divans um reich besetzte Tafeln waren vorhanden, auf letzteren Vasen, Scenen aus der heiligen Schrift darstellend. Auch waren die Reste einer nächtlichen Illumination, einer Nachbildung des ähnlichen Festes zu Jerusalem 3ä) zu sehen — aber dennoch konnte er all diese Pracht nicht mit der Feier der Gesetzfreude in Einklang bringen. Entweder, dachte er, hat Setim sich geirrt, oder es hat dieses Fest wohl noch etwas Anderes zu bedeuten — als die Ehre unserer Thora. Doch die tummelnde Menge ließ ihm nicht Zeit zur langen Reflexion! Sie flutbete daher, wie brausende Wogen, und riß ihn mit in den lärmenden Wirbel. Wie auf Wellen wurde er zum großen Hafen hingetragen, wo der Brennpunkt dieser glänzenden Strah* *\) Siehe die folgenden Anmerkungen. **) Zur Zeit der Wafferschöpfe: Freude war die. Zionsburg itlumi- Nirt. (Talm. Suk* 51.)