Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 243)
- Language
- German
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Dort am großen Beinhause der Borwelt — sitzen die Todtenbeschwörer und Zeichendeuter zwischen moderrüchigen Petröfakten, und wollen den Geist heraufbcschwören, der einst die Antwort auf diese steingewordenen Fragen gab. Andere wandern zu den papiernen Grüften vergilbter Schriften; und dort zieht schon wieder die wackere Bergmannschaft der Gelehrsamkeit nach Pompeji's finstern Schachten, um den Klüften den Schmuck verschollener Jahrhunderte zu entreißen, und aus den Tiefen das gediegene Erz zu holen, das durch den Moder schimmert, und die Trümmer der Vergangenheit beleuchtet. Außer den Laboratorien der Naturwissenschaften geht es in unserem Jahrhunderte nirgends so lebendig und rührig her, als im Tempel Klios, deren Priester das Orakel der Gebildeten geworden sind. Und befragen wir die Propheten mit dem rückgewandten Gesichte, was sie uns aus der alten Tage buntem Gewühls erkundet haben; so ist mancher von ihnen zurückgekehrt, und seine ganze trostlose Weisheit war diese: Was gewesen ist, ist noch, und die Menschheit hat ihre Schwächen nicht vergessen, und ihre Größen nicht verlernt. Jede Zeit, sagen sie, hat ihre Riesen; jede aber auch ihre Pygmäen. Bewundere die Vergangenheit nicht um ihre Heroen, belächle sie nicht um ihre Thoren! Sieh' nicht demüthig zu ihr hinauf, blick' nicht stolz auf sie zurück! Wo du selber stehest, ist's eben so bunt wie damals, bunt wie auf einem Maskenballe! Harlekine stehen neben ernsten Priestern, schwache Zitherschläger neben geharnischten Rittern — und der Untergang stehet Allen bevor. Wenn sie im schwindlenden Tanze gewirbelt, daß die Dielen erdröhnen, bis die Sterne versinken, und die Lampen verglühen — dann ist die ganze Erscheinung geschwunden, und die phantasmagorischen Gestalten sinken, abgemüdete Tänzer, dem Schlafe in oie Arme. So ist das Drama der Geschichte schon öfter über die Weltbühne gegangen, und neuerdings ziehen die Menschengeschlechter hin, und wälzen den großen Stein der Zeitfragen den steilen Berg der Erfahrung hinan; und ist er auf dem Gipfel angelangt, dann stürzt er mir der' ganzen Wucht in die Tiefe nieder — sein Gerolle ist die hohnlachende Antwort an die verduzten Helden. „Nichts Neues unter der Sonne" — ft hat mancher schon gesprochen, und doch gibt es nichts g *