Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 207)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2609281-3184086--1697-3185809- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Mein Ururgroßvater Leb. 157 das Geld haben, und da meine Liebe zu seiner Tochter noch so feurig ist, das Eisen schmieden so lange es glüht? Da irrt er sich; wenn ich mich von dem elenden Gesindel der ganzen Kille (Gemeinde) losmachen will, für mich und meinen Büchern leben, meinen Gedanken nachhängen, wenn ich unabhängig von dem Urtheile und von dem Kredite meiner Nachbarn sein will, um mich nichts um ihre Meinung, um ihre Kritik meiner Handlungen bekümmern zu brauchen, muß ich reich sein, muß ich mehr Geld als der Reichste von ihnen haben; Geld ist der einzige Finger, der Men zum Schweigen winkt und dem Alte gehorchen. Ich habe sie gern meine Braut; es ist wahr, sie ist schön, klug, und weiß gauesch (dcusch) mehr als ich—ja mehr als ich, das ist ihr einziger Fehler; mir kommt's manchmal säst vor, als läge ein Zug des bemitleidenden Lächelns um ihre Lippen; manchmal, wenn ich über die Welt, über unsere Zukunft und Glück rede, es liegt so etwas Verachtendes manchmal in ihren Blicken, das mir sie auf einen Augenblick allen Gefühlen entfremdet. Und Sonntag acht Tage schon gar nicht, setzte er nach einer Pause fortschreitend hinzu; da hätte ich mit Channele Tno'mschreiben sollen und weh' will ich ihr nicht thun, wenn ich sie auch nicht nehme, denn -—- ich Hab' sie gern — Channele, sprach er fast laut und sah zu ihrem Fenster, an dem er gerade vorüberging, hinauf; sie hat manchmal in mein Herz gelesen, sie ist arm aber gut und — ich Hab' sie gern Channele. Er ging nach Hause. Er hat doch heraufgesehen, sagte die noch immer beim Fenster warnende Channele. Sie wischte sich die Thränen aus den Augen, legte sich lächelnd ins Bett, küßte den Polster und entschlief fröhlicher als schon lange. Ich werde aus dem Brief nicht klug, sagte Reb Anschel, der Rabbi des Ortes, zu dem Vater der Braut, der festlich gekleidet, aber mit trübem Gesichte vor ihm stand. Der Brief, den der Rabbi in Händen hatte, war derselbe, der gestern Abends die holde Braut ohnmächtig machte und lautete so: