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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1847-01-01 · 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847) · page 170

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
Date
1847-01-01
Page
– (sequence 170)
Language
German
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IRI
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vö will mich immer bedünken, so oft ich auf das Leben des zweiten Joseph zurückschaue, als mußte jedes Gleichniß und jede Farbe, die man diesem Riesenbilde hinzufügen wollte, verschwendet und nutzlos sein, ja, als müßten sie dem Gesammteindrucke vielmehr noch schaden. Joseph war eine Natur — die Natur läßt sich aber nicht malen, schildern oder plastisch gestalten; man kann sie nur empfinden, nachleben oder nachdichten. Fragmentarisch läßt sie sich erfassen oder wiedergeben; was ist aber das Fragment gegen das Ganze, gegen die Natur? Aber der Mensch liebt nun einmal Bild und Gleichniß für Alles, was er haßt und erhebt, was er schätzt und in den Staub zieht. Und so tritt uns unbewußt und unwillkürlich aus der Natur selbst, für ihn, der eine Natur war, ein holdes, schönes Gleichniß entgegen. Wir meinen den Frühling. Für dieses athemlose Drängen nach einem vorgestreckten Ziel, für diese hastige Schöpferkraft, die jede Scholle Landes unter sich befruchten und durchgeisten wollte, für dieses jugendlich-leichtsinnige Verschenken aller Schätze des Herzens, für dieses rücksichtslose Daransetzen aller Kräfte läßt sich nur ein Gleichniß mit Geschick anwenden — der Frühling. Und je tiefer wir in das Wesen dieses Lieblings der Natur hineinblicken, je mehr muß es uns scheinen, als sei dieser Blumenduft und Vogelfang , dieses Brausen und Singen eisbefteiter Ströme, dieses Sprossen und Keimen von Innen nach Außen, kurz Alles, waS die Menschen seit Jahrtausenden entzückt und beseeligt, vom Anbeginn dazu mitbestimmt gewesen, daß die Menschen der kommenden Jahrhunderte doch ein gutes Gleichniß haben für den unvergeßlichen zweiten Joseph. Es war wieder einmal Frühling gekommen — der trust in seiner Hand ein weißes Blatt, darauf mit riesengroßen Lettern geschrieben stand: Toleranz! Aller Orten erschien er mit dem freisinnigsten Edikte, zu dem ein Fürstenherz seine

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