Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 114)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2609281-3184086--1604-3185716- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Briefe aus lNalizien. 6r seltener erlangt und bleibt die Beschäftigung mit der Wissen-- schaft meistens Spiel und Unterhaltung und ihre vorzüglichste Frucht, besonders bei den Reichern, ein maßloser Dünkel und die Fertigkeit über Alles zu räsonniren unv abzusprechen. Diese Studien mußten früher, (in wie fern sie nicht talmudisch theologische waren), vor den Alten verheimlicht werden; heutzutage ist man schon nachsichtiger gegen solche Jugendsünden und setzt Mancher sogar eine Ehre darein, einen gebildeten Sohrr oder Schwiegersohn zu haben. Natürlich darf er sich nicht herausnehmen von seinem Wissen ein Resultat zu ziehen und seinen eigenen Weg zu gehen, sondern muß hübsch tanzen wie seine Versorger pfeifen. Wie sollen da tüchtige Männer aufwachsen, die zu handeln und in's Leben einzugreifen wissend Da von den jungen Leuten überdieß meistens nur verlangt wird, daß sie die jüdische Uniform tragen und äußerlich gewisse Rücksichten beobachten, so gewöhnen sie sich zu heucheln, bis sie nicht mehr anders können, oder die Verhei-- ratung ihrer Kinder und die Verbindung mit orthodoren Familien ihnen wieder Rücksichten auflegen. Gelangt aber Einer durch ein Familienunglück früher zur Freiheit und Selbstständigkeit, so muß er unvorbereitet in's Geschästsleben sich stürzen, und wird von der neuen Sorge für sich und seine Familie zu sehr in Anspruch genommen, als daß ihm für was Anderes noch Sinn bleiben, und er sich versucht fühlen sollte, die breit getretene Bahn zu verlassen. Darf man sich dann wundern, die Scheinsucht und Heuchelei, die bei der Aristokratie so sorgfältig gepflegt werden, bei der von ihr abhängigen und ihrem Beispiele folgenden Menge so gräulich überhand nehmen zu sehen? Diese beschränkt sich in ihrer Freisinnigkeit freilich nicht auf zweideulige Reden, sondern erlaubt sich alles, was das Judenthum verbietet, und deckt den jüdischen Kaftan darüber לובשין שחורים ומתשטפין שחורים וששי] מה שלבם חם^. Daraus erklärt sich einerseits das bedeutende Uebergewicht des Chaßidismus, der, obwohl nur in der untersten