Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 352 (sequence 374)
- Language
- German
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352 Die israelitische Erziehungsanstalt ihnen aus sich selbst nimmer zu geben vermöchten, selbst, wenn ihre Beschäftigung — die meisten sind sogenannte Dorfgeher sie nicht physisch daran hinderte. Zugegeben! Allein gibt es nicht auch in den Städten, in welchen sich erträgliche Schulen und treffliche Fachlehrer in Fülle vorfinden, Uebelstände anderer Art, die ein Pensionsinstitut gerave für die Kinder der Wohlhabenden zu den wünschenswerthen Dingen machen dürften? Es ist hier keineswegs die Absicht in das weitläufige Thema einer Eröterung einzugehen, in wie fern die Erziehung in einem Institute jener im älterlichen Hause vorzuziehen sei oder nicht, und ich denke, daß wenn man dergleichen fruchtbar machen will, man zunächst von konkreten Fällen auszugehen bar. Als sich in einem Komite für die Errichtung von Kleinkinderbewahranstalten in England eine ähnliche Diskussion erhob, schnitt einer der ersten Staatsmänner dieses Landes, Sir JameS Mackinto sh dieselbe damit ab, daß er die häusliche Erziehung zwar selbst bevorwortete, aber hinzufügte: ,,im gegenwärtigen Falle habe man nicht die Wahl zwischen der häuslichen und öffentlichen Erziehung, sondern zwischen der Verführung auf den Straßen und der Bewahrung in den Anstalten." Nun will ich analoger Weise wohl nicht so weit gehen, wiewohl mir aus gleichem Anlaß Fichte's Wort beifättt, welcher in seinen Reden an die deutsche Nation die Jnstitutserziehung mit folgendem bezeichnenden Ausdruck bespricht! „In der Berührung mit uns müssen diese Kleinen verderben, haben wir einen Funken Liebe für sie, so müssen wir sie entfernen aus unserem verpestenden Dunstkreise, und einen reineren Aufenthalt für sie errichten." Ich will aber darum gar nicht in Abrede stellen, daß in vielen Fällen auch unter uns die häusliche Erziehung derjenigen in einem Institute vorzuziehen sein wird; man wird mir dagegen nicht minder zugeben müssen, daß dennoch auch für viele, sehr viele Familien, die in hochgepriesenen Städten und unter hochgepriesenen Berhätnissen leben, eine gut geleitete israelitische Erziehungs-Anstalt sehr heilsam und förderlich wäre.