Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 327 (sequence 350)
- Language
- German
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Vorbemerkung. 327 auf der Art rythmisck gebauete Stellen stoßen, wo wir sie am wenigsten erwartet hätten, und die dem Schriftsteller, von dem inner« Takte der Vorstellungen aufgeregt, ganz unwillkürlich entfuhren. So z. B. Erodus 12. 11. Gegürtet die Lenden, Sandalen geschnürt, Den Stab in den Händen Behende zur Mahlzeit u. fw. נזתניכם חגדים נעליכם ברגליכם ומקלכם בידכם ואכלתם אותו בחפזון Den Parallelismus geben wir durch gepaarte, und wo wir zwei Sätze zusammenziehen, durch wechselweise Reime. Was die Anordnung der Stücke betrifft, so haben wir einen gewissen Stufengang beobachtet, der von den allgemein menschlichen jede Individualität ausschtießenden Dichtungen beginnt, und bis zu den eigentlich jüdischen und nationalen Gesängen hinunter steigt. Wir theilten daher die biblischen Poesien in Lyrische, Didaktische und Prophetische ein. Jnwiefern wir Letzteren einen eigenthümlichen Charakter beizumessen uns berechtigt fühlten, so wie die Motive dieser Eintheilung überhaupt, werden wir nächstens genauer erörtern. Die lyrischen Gedichte beziehen sich bald auf allgemein menschliche Regungen und Anschauungen, wie die Naturpoesien der 8, 19, 29, 10-1 Ps./rheils auf die Schicksale der Nation. Mt den Erster« eröffnen wir die Halle dieser uralten Denkmäler. Wir wählen dazu den 29 und 104 Psalm unb schließen für dieses Jahr nur noch mit 2 Gnomen Salomons, die nicht wie die andern in dystichischer Form gegeben sind.— Was den 29. Psalm betrifft, so ist er offenbar die Beschreibung des Eindruckes, den ein furchtbares Gewitter, vielleicht verbunden mit einem Erdbeben, auf die zur Andacht gestimmte Seele des Dichters gemacht. Sehr lebhaft, großartig und frisch sind die Bilder, und doch schimmert die den jüdischen Poesien so eigenthümliche Sanftmuth der Ergebung in den Willen des Herrn hindurch und bildet den Schluß der Betrachtung. — Nicht Furcht und Angst sind es, die Phantasie-Gebilde durch die aufgeschreckte Seele jagen, nicht den zürnenden Jupiter touans stehet der Dichter in den empörten Elementen, nicht die Apotheose der Naturkräfte spricht sich darin aus — sondern das gläubige Vertrauen auf Gott, der diese Kräfte in Bewegung setzt und der Schützer seines Volkes ist. Weit ruhiger aber mit gleich' frischen Farben und nicht minder erhaben ist der 104. Ps., der die Manifestation Gottes in dem All der Natur zum Gegenstände hat. Anch hier tritt das plastische Element mehr in den Vordergrund, und die Gestattung des Innern zur äußern Anschauung ist der herrschende Charakter dieses schwunghaften Hymnus. Eine weihevolle Ruhe ist über ben Ganzen bingegoffen / und die sogenannten