Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 323 (sequence 346)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2609281-3184084--1454-3185565- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
323 Vorbemerkung. Wie die Bibel im Ganzen, als .Quelle der religiösen Wahrheiten, nie dazu bestimmt war, die hochmüthig verheimlichte esoterische Lehre.füreinige Gebildete und Mächtige zu werden; sondern erst dann ihren'segensreichen Erfolg hat, wenn sie, ein Gemeingut aller Stände, in alle Massen dringt: so sollen die biblischen Poesien ins Besondere, nicht dem Theologen ausschließlich angehören, und verdienen ihres ästhetischen Werches 'halber von Seiten jedes Gebildeten, wenigstens dieselbe Aufmerksamkeit und Sorgfalt, wie die Denkmäler der klassischen Völker. - In neuern Zeilen hat diese Wahrheit allgemeine Anerkennung gesunder: , und das lebhaftere Interesse, das Philologen und Historiker, Künstler und Kunstrichter der heiligen Schrift, (vielleicht mehr als für deren Heiligkeit gm sein mag) zugewendet haben, beweist, daß man bei der Anerkennung nicht stehen geblieben ist. So hat die Eregesis durch gründliche Sprachforschung, durch historische und kritische Beleuchtung, wie an Jntension und Wissenschaftlichkeit, auch an Erweiterung und Ausdehnung gewonnen. Es ist mehr Lickt durch alle Fugen und Spalten in jene ehrwürdigen Hallen der ältesten Denkmäler gedrungen, und Vieles, das ein gläubiges Jahrhundert vor uns in ahnungsvollem Rückblicke dunkel kaum erfaßt — das tritt jetzt als ein Objekt der Reflerion mit schärferem Gemarke und Gepräge hervor, und wird ein geistiges Bewußtsein. Vielfach jedoch zweigen sich dann'die Wissenschaften aus, je nachdem der Geschichtsforscher für seine Nutzanwendung ein Urtheil über die historischen Angaben, der Philolog über den Reichtum und die Bildung der Sprache, der Philosoph 'über die Theoreme der Weltanschauung und der ethischen Theile sich vindieiren; endlich aber muß bei den poetischen Stücken auch der K u u strichle r und A esth e t i k e r, ein von allen den archäologischen Instrumenten, mit denen man sich bewaffnen muß, um den jüdischen Helicon zu besteigen, freies Urtheil über den Schwung der Gedanken, die Innigkeit und Kraft der Gefühle erringen, und fot ches, ohne sich durch die antiquarische Rumpelkammer drängen zu müssen, erreichen können. — Nun schließt sich aber dem Kommentare zunächst die Uebersehung an, welche nach den verschiedenen Tendenzen, die wir oben bezeichnet, mehr oder weniger verbal oder umschreibend, mehr oder weniger dem Geiste derjenigen Sprache accommodirt wird, in die man überträgt.