Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 300 (sequence 323)
- Language
- German
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300 Das alt' Babelezu führen. Warum gehst Du nicht zu ihm hinaus, Golde, Du wirst Dich mit ihm viel besser unterhalten als mit mir. Mit fliegenden Pulsen fuhr bei diesen spitzigen Worten das Mädchen auf, und indem sie die Hand auf die Lippen des Knaben stürmisch legte, sprach sie mit bittender Stimme: Um Gotteswillen, sei still Maierl! Du machst mich unglücklich, wenn Du ein Wort redst. Bist Du's nicht schon, meinte der kranke Knabe mit furchtbarem Hohn. Maierl, sprach das Mädchen, indem ihm Thränen über die Wangen liefen, du kriegst Zuckergebäck von mir, wenn Du schweigst. Der Knabe lag einige Augenblicke in tiefen Gedanken, dann sagte er: Aha, das Zuckergebäck, was Dir der Lange gegeben hat! Na, das will ich nicht, das kannst Du dir behalten. Du kannst mir alles Zuckergebäck von ganz Preßburg geben, ich rühr's nicht an. Geh' nur fort zu dein Juraten, geh' fort, ich will nichts von Dir! Herzinnig bat ihn die Schwester: Maierl, was habe ich Dir Böses gethan, daß Du bist so bös auf mich? Hab' ich Dir nicht immer gebracht Frühstück, wenn Dich der Vater hat fasten lassen, weil Du in der Früh nicht in die Schul gegangen bist? War ich nicht immer gut gegen Dir (Dich )? Hab' ich Dir zum Schabbesobst nicht immes noch etwas hinzugegeben? Und wenn Dich der Vater hat schlagen wollen, weil Du beim Verhör aus dem Chumesch (Pentateuch) schlecht bestanden bist, Hab' ich nicht immer die Thüre aufgemacht. Und jetzt bist Du auf mich so bös! Wart, Maierl, so wie Du mir thust, will ich auch thun. Denn Du willst es so, Maierl! Das Großmütterlein hatte jetzt das Gebet geendet. Mit einer tiefen Verbeugung gegen Ost, schloß sie die schweren Klammern des Sidurs, nachdem sie vorher auf die letzte Blattfeite einen innigen Kuß gedrückt hatte. Sie schien von dem Zwiegespräch der beiden Enkel nichts vernommen zu haben. War es die Innigkeit ihres Betens, war es die Taubheit ihrer Ohren, die sie daran hinderten? Vielleicht beides zusammen. Ehrfurchtsvoll nahte sich ihr das Mädchen und küßte ihre