Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 298 (sequence 321)
- Language
- German
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298 Das alt' Babele. Male verklärte sich ihr Antlitz, sie hatte gefunden, was sie so ängstlich suchte, und was glaubt Ihr wohl, das es war? — die goldene Sabbathaube von Babele! Die setzte es dem schwarzen Maierl auf, der irr nichts widersprach. Da sah nun der Knabe aus, wie einer jener Könige aus früheren Zeiten, von denen die Sage geht, daß sie mit der Krone auf dem Haupt zu Bett sich legten. Das lange „Arbeh Kaufes" des Großvaters umhüllte ihn wie ein Krönungstalar, daran waren als Ordensbänder die vier Schaufäden zu schauen, so wie eine Blutstraße ein prachtvolles Vließ herumgezeichnet hatte. Sogar historischen Werth hatte der ganze königliche Anzug,wie weil. Kaiser Karolus Magnus seiner, denn Großvater „Langleser" und das Babele hatten ihn getragen, und waren darin alt und lebenssatt geworden. Das Babele aber sah in diesem Augenblick wie eine jener grauen Königinnen aus, die ihrem Enkel die Krone aufs Haupt setzt. Es war Abend geworden. Der Knabe lag im wildesten Wundfieber und fantasirte in ausschweifenden Träumen. Bald schrie er den Namen „Hendl" furchtsam aus, und duckte sich dabei unter der Bettdecke zusammen, als fürchtete er noch einmal von ihrem Stein getroffen zu werden. Bald mußte er sich einbilden, er sei ein „Kohn" (Priester) und stünde in der Synagoge und sänge dem Volke die Segnungsformeln vor! Denn er sang wirklich eine jener uralten Melodien wobei er die Finger gerade so aufhob, wie es die Priester in der Synagoge machen. Dann kam ihm wieder das Schreckgesicht der wahnsinnigen Hendl, und er kreischte in wilden, unartikulirten Tönen auf. Dazwischen klang seltsam genug, das Abendlied der Vögel aus dem Palffygarten herüber und rauschte der Nußbaum geheimnißvoll, als wollten sie den Knaben locken und hinausziehen zu sich. In diesen Augenblicken gewährte das Antlitz des Großmütterleins einen eigenthümlich rührenden Anblick. Bald fuhr sie dem Knaben über die heiße Stirne und benetzte ihn mit kaltem Wasser, dann sprach sie ihm linde schmeichelnde Worte