Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 286 (sequence 309)
- Language
- German
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286 Judenthum und liches in jener Ideenwelt, und etwas Solides und Haltbareres in dieser Speculations-Theorie ihres Vaters heraus. Sie dachte sich daher das Leben als eine todte starre Wand, an der die Ideale, wie die Schatten einer Zauberlaterne zur Pein des Menschen vorüberziehen, damit er wie Tantalus die goldenen Fruchte sehe, aber nicht genieße. Sie ergab sich daher in den Willen ihres Vaters ganz mechanisch, und mit einer Apathie der Resignation, wie in das Verhängniß eines unbezwinglichen Fatums und dies um so mehr, da sie als Mädchen in allen ihren Bewegungen auf einen engen Kreis der Häuslichkeit beschränkt war. In dieser Gemüths -Lethargie ging sie in den Vorschlag Nachm an ns zur Verbindung mit dem jungen Hildh e im mit dem gräßlichen Phlegma der Ergebung in das Geschick ein, wie sie mit derselben Gleichgültigkeit der Verzichtleistung, dieses Verhältniß nach David's Flucht aus seinem väterlichen Hause wieder auflösen sah. — Sie sprach nicht wie David: Was ist Ehe ohne Liebe? sondern: da Liebe und Sympathie nur 'Ahnungen, süße Träume sind, die nie in diesem Leben zur Wirklichkeit gelangen, so kann mir der Beschluß des Schicksals nie lästig werden, denn glücklich in meinem Sinne werde ich nun mehr nicht," — So blieb sie bis vor einigen Wochen, — Da hatte aber das Gerücht von dem Heroismus der Gräfin von Plater sich verbreitet; sie sah nun eine Amazone ihrer Bücherwelsi eine Johanna von Orlean's ihrer Träume mitten im wirklichen Leben, leibhaft und selbstständig und nicht als Schatten. Sie sah wenigstens Eines ihrer Ideale realisirt — da fiel ihr denn ein, wie leicht könnte es wirkliche Liebe ohne Egoismus, wie leicht nicht noch fahrende Ritter, wie leicht nicht dennoch einen Seladon geben. Sie fing an zu begreifen, wie sie nachmals erzählte, daß das wirkliche nicht bloß erträumte Leben noch andere höhere geistige Richtungen habe, die sie im väterlichen Hause nicht kennen gelernt — und sie wurde jetzt tägüch aufgeregter, nachdenkender, unzufriedener mit ihrer Lage. Sie fand es unerträglich im väterlichen Hause, und erbat sich die Erlaubniß zu ihrer Tante nach einem benachbarten Städtchen zu reisen, und war erst vor wenigen