Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 255 (sequence 278)
- Language
- German
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Romantik. 255 Den romantischen und den jugendlichen Sinn zu sehr entzündenden Phantasie-Gebilden eines Lafontaine und Clauern, die ihm Sterne erster Größe am deutschen Horizont dünkten, dermaßen berauscht, daß ihn das ernste Gemarastudium zu langweilen begann. Durch diese beiden heterogenen Elemente, wie die steife talmudische Dialektik und die phantasmagorischen Feengestalten Der Sentimentalitäs-Schule des vorigen Jahrzehends, hatte sein Geist eine eigenthümliche Färbung erhalten. Die spitzfindigen Meditationen des Talmuds hatten blos seinen logischen Sinn geschärft. Dagegen gaben der Schauer heiliger Glaubensscheu und das Moos altergrauer Jahrhunderte, das auf ihrem Giebel wächst, den jüdischen Schriften in seinen Augen, das ernste kalte Ansehen eines berechnenden Greises, eine imperatorische Würde, die blinden Gehorsam heischt. Ein bis ins Kleinste und Kleinlichste ausgesponnenes und streng überwachtes Ceremoniel, erschien ihm so gespensterisch zauberhaft, daß sich ein eigenthümlich peinigendes Gefühl diesem gegenüber, unseres Helden bemeisterte. Kindliche Ehrfurcht und kindischer Schrecken einerseits > Trotz, Freiheitssucht und ein Streben von diesem Zauber los zu kommen anderseits, waren seine Empfindungen bei den alten Folianten. — Eine grauenhafte Piatät, möchte ich sagen, war es, die ihn durchbebte. — Die Romane hatten wiederum seinem Gemüthe einen sentimentalen Anstrich gegeben, und einen Hang zum Abentheuerlichen und Ritterlichen beigebracht. Er hätte für sein Leben gern Helm und Visier getragen, die Streitart geschwungen, verirrten Amazonen und bedrängten Duleineen, als ein fahrender Ritter beigestanden, und dann, ein wackerer Seladon, die Farbe seiner Schönen auf Turnieren getragen, und mit eingelegter Lanze hoch und theuer geschworen: sie sei die Blume deutscher Frauen u. s. w. Dieser abenteuerlichen Richtung ist aber das Judenthum, wie es sich durch alte Schicksalsschläge herangebildet hat, schnurstracks entgegengesetzt. Das Judenthum wurzelt in dem nüchternen Verstände, und ziehet seine Nahrung aus einer gesunden Vernunft-Moral. Es trat bei seinem Erscheinen der blumenreichen Poesie des Heidenthums entgegen, wo es noch selber im Blüthenreiche holder Wunderträume