Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 230)
- Language
- German
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Briefe aus Galizien. 205 wissenhafte und unpartheische Verwaltung, durch die sie allen Partheien imponiren, wenn auch nicht alle befriedigen. Endlich haben sie die Macht materielle Wohlthaten zu erweisen, die lebhafter empfunden und dankbarer angenommen werden als moralische, wodurch sie auch diesen Rachdruck geben und auf Freunde und Anhänger rechnen können. Jeder intelligente Vorstand wird aber nach dem Vorgänge des weisen um die gallizische Judenschaft unsterblich verdienten Joseph Perl, *) lange bevor er an irgend eine Kultusverbesserung gehet, auf die Gründung einer guten israelitischen Volksschule bedacht sein müssen. Die Wichtigkeit des Jugendunrerrichtes darf ich Ihnen, mein Verehrter, wohl nicht erst darthun; aber Sie können sich kaum eine Vorstellung machen von der Verkehrtheit, mit welcher derselbe unter den diesseitigen Juden bisher betrieben worden und der nur durch zweckmäßig organistrte und geleitete israelitische Schulen gesteuert werden wird. Ohne den diesseitigen christlichen Volksschulen, die freilich Manches zu wünschen übrig lassen, nahe zu treten, läßt sich mit vollem Rechte behaupten, daß sie uns nicht genügen. Die christliche Jugend ist polnisch und bringt das Polnische als Muttersprache in die Schule. Auf diesem Grund wird natürlich weiter gebaut und das Deutschgelesene polnisch erklärt. Davon verstehen aber die jüdischen Kinder gewöhnlich kein Wort, so daß sie in der Schule deutsch und polnisch lesen, aber weder die eine noch die andere Sprache erlernen. Sie müssen ferner des Hebräischen wegen ein llü besuchen, wo sie ohne gute Hebräer zu werden, im jüdischen Jargon und in allen Unarten sich ausbilden. Endlich müssen sie nach der bestehenden Vorschrift auf abgesonderten Bänken sitzen, wo sie schon in zarter 1) Wir besitzen noch immer keine Biographie dieses in Israel großen Mannes, so wünschenswerth selbe wäre, da sie den Glanzpunkt der neuern Geschichte der Juden in Galizien bilden und sehr interreisant belehrend und anregend sein müßte. Mich freut es doppelt diesem Wunsche so schnell genügen za können. Der Herausgeber.