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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1846-01-01 · 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846) · p. Seite 203

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
Date
1846-01-01
Page
Seite 203 (sequence 228)
Language
German
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IRI
…/2609281-3184084--1336-3185447
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Briefe aus Galizien. 203 nommen, sind noch nicht reif dazu, und werden keinem jungen Manne die Seelsorge anvertrauen, der eine Universität besucht hat, und wenn er ein zweiter Moscheh wäre. Und was kann der tüchtigste und pflichteifrigste Geistliche Leisten, der von der Heerde nicht anerkannt, vielmehr angefeindet und verwünscht wird? Hat einer eine Parthei, einen Theil der Gemeinde mr sich, so besitzt er schon einen Wirkungskreis, der es ihm möglich macht bei einiger Klugheit und redlicher gemeinnütziger Wirksamkeit seinen Anhang zu vermehren und seinen Gegner zu entwaffnen; was will aber ein Seelsorger anfangen, der nur um seine Seele, um sein Leben besorgt zu sein hat, der bei seinem ersten Auftreten Viele gegen sich gerüstet und Niemanden zu seiner Vertheidigung findet? (da die sogenannten Aufgeklärten zu klug sind um Parthei zu nehmen.) 3n dieser Lage wären sicherlich die studirten Rabbiner in den meisten Kreisen Galiziens. Sie müßten sich, wie wir schon ein Beispiel erlebt, in eine von Juden nicht bewohnte Stadt zurückziehen, um von dort aus mit mehr Sicherheit das Steuerruder zu führen. Dies bezeichnet allerdings den unerfreulichen Bildungszustand der Juden, soll aber an und für sich keinen Vorwurf begründen, da sich in manchem Kreise Böhmens vor nicht langer Zeit Aehnliches zugetragen hätte, wenn die dortigen Gemeinden nicht gar so ohne alle Selbstständigkeit wären. Keine Glaubensgemeinde kann einen Mann als ihren Lehrer, Führer und Seelsorger anerkennen, zu dem sie, aus welchen Ursachen immer, kein Zutrauen hat, in dessen Religiosität sie Zweifel setzt, den sie nicht für einen der ihrigen hält. Und wenn es einem wissenschaftlich gebildeten Kandidaten gelingen sollte, dem Volke über seine rhalmudische Tüchtigkeit und Rechtgläubigkeit volle Beruhigung zu verschaffen, müßte dies nicht auf Kosten seiner Wirksamkeit geschehen? dürfte er ein freies Wort sich erlauben? Dürfte er irgend eine zeitgemäße und nothwendige Aenderung, die Beseitigung eines alten Mißbrauchs, die Verbesserung des Jugendunterrichtes und der omn in Vorschlag bringen? Er müßte, um sich zu behaupten, stabiler werden als die ehrlichen Alten,.

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