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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1846-01-01 · 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846) · p. Seite 171

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
Date
1846-01-01
Page
Seite 171 (sequence 197)
Language
German
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Ern gefundener Brief in senden, die unter solchen Führern den Germanismus anbeten, ihrer eigenen Literatur und deren Schöpfer vergessen. Werden wir darum nur nicht müde! Hast du selbst mir nicht den Bibelvers zugerufen, daß kein Weiser die vergangene Zeit für besser halte? Nein, nie werde ich über Zeitgebrechen seufzen, um unthätig die Hände in den Schooß zu legen. Neber die sich selber verlassende Nachäfferei, die Gleichgültigkeit der Genießenden, den falschen Glanz der falschen Propheten haben schon die echten Propheten geklagt, und jeder Tieferschauende hat zu allen Zeiten seiner Mitlebenden Unwissenheit und Thorheit gerügt. Davon weiß nicht nur die Gemara, sondern auch manches jüngere Buch. Joseph Zaddik, der vor 700 Jahren schrieb, hält sein Zeitalter für unbedeutender und hohler als alle vorangegangenen; viele seien nur Juden dem Namen und Menschen dem Körper nach, und haben vom Werthe des Wissens keine Ahnung. Auch dem anderthalb Jahrhunderte jüngeren Verfasser des Sittenbuches, das Sefer Hajaschar heißt, mißfielen die meisten von seinen Zeitgenossen, weil sie mehr dem Gelde als den Morallehren nachliefen. Fast gleichzeitig mit ihm tadelt ein anderer Autor die Einseitigkeit derer, die sich nur mit Grammatik, oder nur mit dem Talmud, oder nur mit griechischen Wissenschaften beschäftigen. Jedoch, fügt er hinzu, thun sie immer besser als meine Landsleute, die bekümmern sich um Nichts, was nicht Genuß und Erwerb heißt. Aus solchen Aeußerungen laß uns lernen, auch gegen die Vorzüge unserer Zeit nicht ungerecht zu sein, und ihre Gebrechen als eine Aufgabe für die Heilkunst einer medicina divina zu betrachten. Hast du von dem Hasse der Halbwisser zu leiden, tröste dich mit R. Bezal el in Kairo, der vor260 Jahren dieselbe Erfahrung gemacht; empört uns ein unberufener Schreier, wollen wir nicht besser daran sein, als Schemtob Palquera, der sich also äußert: „Einige Leute beschäftigen sich etwas mit Studien und lernen ein Wenig im Gesetze, um für geschickte Männer zu gelten, und Aemter und Geld zu erhaschen. Haben sie beides erlangt, lassen sie Wissenschaft und Gesetzstudium liegen." So spricht ein Mann, der nicht einen unserer Doctoren der Philosophie persönlich gekannt hat! 8 *

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