Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 196)
- Language
- German
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170 Ein gefundener Brief später Richter in Lucena war, besuchte einst, da er unwohl war, em Bad; er ward besser, indem ihm nicht bloß der Gebrauch des Bades sehr gut bekam, sondern auch der Eigenthümer desselben ihn zu sich einlud und manches Gute ihm erwies. In der Folge ging es dem Manne nicht gut, und da er viele Bürgschaften übernommen, kam er fast um das Seinige; auch das Bad mußte verkauft und abgeschätzt werden. Da erklärte Alfasi, er wolle mit dieser Sache nichts zu thun haben, er enthielt sich jeder richterlichen Funktion, die dieses Bad betraf. Maimonides konnte es nicht begreifen, wie man für die Ertheilung gesetzlicher Bescheide Geld nehmen könne. Wie würde er sich wundern, wenn er hörte, wie theuer heut die widergesetzlichen Bescheide bezahlt werden müssen! Zu Anfang des 16. Jahrhunderts verbot die Apulische Synagoge in Constantinopel ihren Genossen einem Karäer Unterricht zu ertheilen, und zwar erstreckte sich der Bann über alle Wissensfächer, selbst über Philosophie, Mathematik Musik, ja sie verboten sogar den Leseunterricht für die Kinder der Karäer. Elia Misrachi aber, der sich scharf gegen dieses Verbot erklärte, betrachtete dasselbe als eine von Neid und Brodneid eingegebene Maßregel, der der Mantel der Religion umgehangen werde. Umgekehrt sollte man die Karäer belehren, weil dieß ein Mittel sei, die eigene Trägheit zu überwinden und in den Studien, zur Abwehr der Gegner, vorwärts zu schreiten» Wie mancher sogenannte Staatsmann unserer Tage könnte bei diesem jüdischen Lehrer in die Schule gehen! Allein ich vergesse, daß die Celebritäten der Juden keine sozialen Notabilitäten, sondern Lehrerund Dulder, arme Verfolgte sind: Für diese Leute haben wir zu wenig Herz, Religion und Zeit, und zu viel Bekanntschaften , Geld und Kultur, und den Tagshelden, die den hebräischen Staub abgeschüttelt, gellen alte jüdische Autoren für Idioten, deren Thun jetzt keinen Anklang mehr bei gebildeten Damen und in den SalonS findet; ja wer zufällig ein Rabbinat bekleidet und Kenntnisse mit Gesinnung verbindet, wird um deßwillen schon in den Blättern des Fortschritts herabgewürdigt. Kommt zu der Neigung, das Fremde zu überschätzen, diese Verhöhnung des Eigenen hinzu, so fühle ich Nachsicht mit den Unwis-