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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1846-01-01 · 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846) · p. Seite 110

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
Date
1846-01-01
Page
Seite 110 (sequence 139)
Language
German
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IRI
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110 Das Ghetto in Nom. Federzug unfern Brüdern eine Zukunft wegstreichen können- Noch eine andere Scene will ich dem Leser vorführen aus jenen Tagen, die ich unter meinen Brüdern in Rom geweilt. Die Priester sprachen den Segen über die Gemeinde. Vor mir stand ein alter Mann, der legte segnend seine Hand auf das Haupt des Sohnes, und dieser die seine auf das Haupt seines Kindes. Der Kleine sah so seelenvoll und innig zu seinem Vater auf, und wußte wohl wenig von all dem was da vorging. Vor vielen Jahren stand der alte Mann an eben dieser Stelle, er war damals nicht älter als sein kleiner Enkel jetzt, und schaute wohl eben so freudig und seelenvoll in die Zukunft, wie dieser. Wie haben ihn die Jahre verändert! Der Blick, der so viel Jammer schaute, ist zu Boden gesenkt, er erhebt sich nicht und fürchtet neues Unglück zu schauen. Die alten Stützen wanken dem Grabe zu. Er mochte wohl ein glühend Gebet zum Himmel senden, daß einst/wenn eben so viele Jahre über des Kindes Haupt werden vorübergeschritten sein, und er schon längst in seinem Grabe ruht, des Greises Auge eben so freudig und ungetrübt in die Zukunft schauen könnte, wie des Kindes Auge jetzt. Das finden wir nun allerdings nicht bei uns. Den Großen wie den Kleinen ist ihr Glaube zur Gewohnheit worden, wir haben statt der armseligen Hütten schöne Tempel, und in den großen Tempeln keine Innigkeit und Liebe. Ach, daß es nicht so wahr wäre, daß es eine Religion der Armuth ist, zu der wir uns bekennen! — Bei all ihrer Armseligkeit und all ihrem Elend leben doch die römischen Juden in dem Lobe der Unbescholtenheit und Thätigkeit. Bekannt sind die jüdischen Flickerinnen, die in langen Reihen vor ihren Häusern fitzen. So mag es denn gar Viele geben, die während eines ganzen Lebens nicht aus den Mauern ihres Gefängnisses sind hinausgekommen. Und wozu auch? Hohn und Spott erwarten sie, wo sie immer wandeln. Mehrere Stadttheile Roms dürfen sie bei empfindlicher Strafe gar nicht betreten. Und so wandern sie denn durch die Straßen Roms mit zagendem Schritt, gesenkten Blicks, stets in der Erwartung, Lästerungen, Hohn und Spott geduldig über sich zu nehmen. Um das

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