Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 137)
- Language
- German
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108 Das Ghetto tit Nom. nische Blut heißer siedet, wo alle Lebensadern lebendiger schlagen, die einzige Zeit, wo alle Italiener einander gleich sind! Und indeß Jeder, die Tochter des vornehmen Principe wie das Weib aus Trastevere, das jenseits der Tiber wohnt, feine Maske nimmt und hinauseilt in das Gewimmel, wo Frohsinn und Heiterkeit herrschen, wo aller Schmerz und alles Weh, das so ein Menschenherz mit sich herumträgt auf seiner Erdenfahrt, vergessen ist; kehrt der unglückliche Jude nach Hause zurück und weint ob seiner Schmach, nimmt die Klagelieder des Jeremias zur Hand, indeß draußen Freudengesänge tönen, mag dran denken, daß mit seiner Schmach, mit seiner höchsten Erniedrigung dem Römer feine Freuden beginnen, daß der auf diesen unglückseligen Augenblick wie auf einen Augenblick der Erlösung hofft; denkt auch an eine schöne, ferne Zeit der Erlösung, an einen Gottesboten, der ihn aus diesem Jammerthale in ein Land der Verheißung führt, denkt seiner Väter, die an den Strömen Babylons saßen und weinten, denkt seiner Brüder, die in weiter Ferne eben die Bibel censiren und die Meßiasidee mit dem Röthel wegstreichen. Wird ihnen aber wenigstens dieser Glaube gelassen? Dürfen sie in ihm ihre höchsten Tröstungen suchen? Auch das nicht. Viermal des Jahres müssen 300 Juden und fünfzig Jüdinnen einem christlichen Gottesdienste in der Kirche 8t. Angelo Peschcria beiwohnen, müssen die Predigt eines Geistlichen mit anhören, in der derselbe Worte an sie spricht, die wenn auch ihrem Ohre wohlbekannt, doch ihrem Herzen um so weniger vertraut sind und darin Eingang finden können, als diese gewöhnlich aus dem Munde derjenigen an sie gelangen, die von demselben Stamm entsprossen wie sie, die aber die einzige Hülfe und Rettung aus dem Elend, in dem ihre Bruder schmachteten, mit ihrem Glauben erkauften. Und ein so guter Kaufmann auch der Jude ist, — man mag ihm das zum Vorwurf machen, — mit seinem Glauben hat er nie geschachert. Man kann es sich wohl denken, mit welcher Aufmerksamkeit die Unglücklichen tit der Kirche sitzen mögen, und welche Gewalt jene Beredsamkeit auf sie üben mag. Wenn am Charsanlstag jedes Jahres die Juden am Taufbecken stehen, die während denr Laufe eines Jahres, sich zum