Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 136)
- Language
- German
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Das Ghetto in Rom- 107 Nacht ihre Wohnstätte, die indeß zu einer Stätte des Elends und der Verwüstung geworden, verlassen. Ihr Dasein ist bekanntlich im höchsten Grade armselig. Die Häuser sind auf's Aeußerste verfallen, und Keiner wagt es, seine Reichthümer zur Schau zu tragen. Die Anzahl der das Ghetto bewohnenden Juden wird auf 4000 angegeben. Bedenken wir aber, daß es jedenfalls in ihrem Interesse liegen mag, ihre Anzahl für-geringer anzugeben als sie wirklich ist, um nicht eine Erhöhung des Tributs, herbeizuführen der 5—6000 Scudi (über 10 —12000 fl. C. M.) beträgt, und somit bei der großen Armuth drückend genug ist, so gewinnt die Annahme, daß diese Zahl doch etwas zu klein angegeben ist, an Wahrscheinlichkeit. * Das Ghetto ist ihr einziger Aufenthaltsort. Auch nicht eine Nacht darf der römische Jude außerhalb desselben verweilen. Wo seine Väter geduldet und gelitten, da mag er sein müdes Haupt hinlegen zu kurzer Rast, um wieder aufzustehen zu neuer Noch und neuer Schmach. In Mitte des Elends erblickt er das Licht der Welt, im Elende entwickelt sich seine geistige und körperliche Kraft, im Elend lebt er, liebt er, im Elend stirbt er. Und das sieht er auch immerfort vor sich; Jaurmertöne sind sein Wiegenlied, Jammertöne sind sein Hochzeitssang, Jammertöne geleiten ihn zu Grabe. Und die erste Nacht, die er außerhalb des Ghetto's ruht, ist für den größeren Theil seine letzte, die sein Erdenwallen und seine Erdennoth beschließt! Und nicht einmahl dieses dumpfe Leben ist ihnen ungestört und ungetrübt. Von Jahr zu Jahr müssen sie vor den päbstlichen Behörden vor einer ungeheuren Menschenmenge auf dem Kapitol um noch ein Jahr der Ruhe betteln, das sie innerhalb des römischen Staates zubringen dürfen. Und so Jahr für Jahr! Auf dem Kapitol, wo einst ihre Vorfahren,, die Titus nach einem Heldenkampf gefangen, denr versammelten Volke in Ketten zur Beschimpfung, zum Hohn und Spott wurden hingestellt, stehen nun ihre Nachkommen nach vielen Jahrhunderten, und tragen auch ihre Ketten, und das Volk steht wieder da und jubelt ob ihrer Schmach. Und wenn das vorüber ist, dann läuten alle Glocken und der Carneval ist da! der Carneval, wo das italie-