Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 111)
- Language
- German
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•82 Geschichte der Wir führen diese T Hatsachen an, damit unsere Leser irr den Stand gesetzt werden, „den Wucher der Juden," den vielbesprochenen und viel verschrieenen, in seinem historischen Zusammenhänge zu beurtheilen. Nicht in einer Welt voll rechtschaffener Leute trieben die Juden Wucher, wie es nach einseitigen Darstellungen den Anschein haben könnte; die jüdischen Wucherer hatten vielmehr, wie wir gesehen haben, zur Zeit des zweiten Ludwig, wie zur Zeit des zweiten Andreas, ibre Gewerbsgcnossen, sowohl unter den Magnaten, als unter den Prälaten, von deren Rechtlichkeit, von deren Vaterlandsliebe .man hohe Erwartungen zu hegen berechtiget war. Allein es waren zu allen Zeiten nur die Unbefangenen, welche bei Beurtheilung der Juden auch den Schwachbeiten nichtjüdischer Menschenkinder einige Rücksicht schenkten, um dadurch ihr Urtheil vor verblendeter Lieblosigkeit zu bewahren. Diese ruhige Unbefangenheit, die noch in unseren Tagen Vielen fremd ist, war es auch denn S t e p h a n von W e r b ö c z, dem Verfasser des d r e i t h e i l i g e n G e w o h u h e i t s r e ch t e s v o n Ungarn, welcher sich am Schlüsse dieses Werkes, wo er den .Judeneid anführt, gewaltig über die Freiheiten ärgert, in deren Besitz die Juden zu jener Zeit (1517) waren. Die Formel des so eben erwähnten Eides dürfen nur aber unseren Lesern um so weniger vorenthalten, als dieselbe, wiewohl sie in mehreren Muuizipien einer einfacheren Formel Platz rnachen mußte, in manchen Munizipien, — jedoch mit manchen Abkürzungen und mit Weglassung oder Verminderung der alten, weiter unten zu beschreibenden Fornlalitäten, — noch gegenwärtig gebräuchlich ist. Die Formel lautet in treuer Uebersetzung wie folgt: „Ich iN. Jude schwöre bei Gott dem Lebendigen, bei Gott dern Heiligen, bei Gott dem Allmächtigen, der Himmel, Erde und Meer und Alles „was darin ist, geschaffen hat, daß ich in der Rechtssache, in welcher nlich „dieser Christ beschuldiget, vollkommen rein und unschuldig bin. Wenn ich „aber schuldig bin, so befalle mich die Gicht imb der Aussatz, welcher „auf Etischa's Gebet bctt Syrer Naaman verließ, und Gehasi, den s,Diener Clischa's, befiel. Wenn ich schuldig bin, so ergreife mich die