Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 271)
- Language
- German
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202 Ephraim Reubl. Menge; da wandte er sich um und ries mit lauter Stimme „Was wollt Ihr daß ich soll knieen, da ich doch bin ein Jude." „Bist du nicht getauft!" zürnte das Volk, mit wilden Blicken auf das Christenzeichen deutend, das der Jude am Halse trug. „Da schleuderte Ephraim das Zeichen weit von sich und rief: „Ich habe nie aufgehört ein Jude zu sein; ich bin ein Jude, und will sterben im Glauben meiner Väter!" „Gotteslästerung! Nieder mit den Abtrünnigen," heulte das Volk und stürzte sich auf den Unglücklichen. Schweigend ließ Ephraim beit ersten Ausbruch der Wuth über sich ergehen; er ward zu Boden gerissen und mit Schlägen überhäuft. „Auf's Gericht!" riefen einige. „Wozu, wir richten selbst!" schrieen die Wüthendsten. „Auf den Scheiterhaufen!" rief eine fanatische Stimme. „Aufden Scheiterhaufen, brüllte die wüthende Menge nach und schleppte den Juden zum Riesenthore hinaus. Vergebens suchten die Gemäßigteren zu wehren, vergebens wendeten sie Bitten und Drohungen an; der fanatische Pöbel blieb auf seinem grausamen Entschlüsse. Aus Betstühlen aus den Kreuzen des Friedhofes, der um den Stephansdom sich herumlagerte, ward ein Scheiterhaufen aufgethürmt, todtenbleich, aber schweigend sah Ephraim zu; die Fanatiker banden ihn auf ein Brett und legten ihn auf den Holzhaufen; im Nu brannten die dürren Scheiter, da rief der Jude mit lauter Stimme: „Mein Herr und Gott sei mir gnävig." Dann entzog der dichte Rauch seine Gestalt den Blicken und seine Stimme ward nicht mehr gehört vor dem wilven Geheule des Pöbels, der in schauerlicher Wuth um den brennenden Holzstoß herumtanzte. Einige Jahre später finden wir in alten Urkunden den gelehrten Rabbi Emanuel Löwy sammt seiner Frau Regina namentlich angeführt. Ob sie glücklich lebten und in Frieden starben, wissen wir nicht, denn die alten Chroniken erzählen wohl viel schauerliche Züge von Jammer und Elend, die über Israels Volk in jenen Tagen gekommen sind, sowie der, den wir so eben getreulich angeführt haben; aber sie berichten auch nicht ein einzigmal von ihrem Glücke. —5>0*€3—