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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1845-01-01 · 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845) · p. Seite 198

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
Date
1845-01-01
Page
Seite 198 (sequence 267)
Language
German
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IRI
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198 Ephraim Reubl. dem prächtigen Schauspiele, daß sich ihm darbor, stehen zu bleiben und bewundernd mit gefalteten Händen starrte er hinaus in das allgewaltige Wunder der Schöpfung. Ringsum herrschte das tiefste Schweigen, als bereite sich die Natur zu etwas Großem, Erhabenen vor; nur in der Ferne, wo der Wahrscheinlichkeit nach, Wien sein mußte, schimmerte es von Lichtern, als ob dort die Stadt festlich und freudig beleuchtet wäre; mit einem Male begann vom Dom zu Sr. Stephan eine Glocke mir mächtigem Schlage zu klingen, ibr folgte die nächste und einstimmend antworteten unzählige andere, daß es wie ein Ehorgesang melodisch herüber klang, und fürwahr, als der Mensch tief seine Schwäche empfindend, mit seiner schwachen Stimme nicht zu dem Ewigen zu sprechen wagte, als er ein anderes Mittel suchte, um dem Herrn der Welt die heiligsten Gefühle seines Herzens kund zu geben, da erfand er die Orgel und die Glocke, daß auf den brausenden, heiligen Tönen, auf den feierlich melodischen Schlägen fein Gebet klingend empor fliege zu dem Herrn. Tief bewegt horchte der Jude auf das Glockengeläute, das aus der Stadl zu ibm herüber ballte; es schien, als ob es sich wie kühlender Be.lsam in: die brennenden Wunden seiner Brust ergöße. Im riefen Schnee knieete er nieder, sein Blick war andachtsvoll erhoben, seine Hände gefaltet, als er mit lauter Stimme, durch die stille Nacht hin,'betete: „Mein Herr und Gort, du Gort meiner Väter, ich weiß nicht ob ich es recht lhue, aber ich glaube es. Du bist der Gott -Abrahams, der Gott zu dem meine Väter beteten in der Stunde ihres Todes auch ich bete zu dir, laß meine Stimme nicht ungebört verballen und öffne gnädig dein Ohr meinem Rufen. Ich bin geboren und erzogen in dem Glauben und der Lehre, die einst Moses in flammenden Lettern berabgetragen von den Höben des Sinai, und wenn ich dieser Lehre willen, so manche Schmach, so manche Verfolgung gelirren, so habe ich nicht gemurrt, sondern sie immer lieber und lieber gewonnen, daß sie mit heiligen Fäden sich verwebten mir den Fasern meines Herzens und daß der, welcher sie daraus losreißen wollte, mir zugleich das Herz mit losreißen müßte. Du hast mich reich und glücklich gemacht, Jehovah, du Gott meiner Ahnen; du hast gesegnet meiner Hände Werk und der Blick deiner Gnade ruhte

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