Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 263)
- Language
- German
- Belongs to
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194 Ephraim Reubl. ihren Mantel breitete und der scharf pfeifende Nordwind dem Schnee von den Gebirgen herabjagte, daß er Ln stäubenden Wolken hinwirbelte und in Vertiefungen und Schluchten sich thurmhoch anhäufte, daß die heulenden Wölfe sorgsam denselben auswichen, wenn sie mit keuchender Brust vorüberjagten, entfaltete sich drinnen in der Hütte ein strahlendes Licht, eine wohlthuende Wärme goß sich über Körper und Seele, denn in trauter Heimlichkeit webte darinnen die poetisch-duftige Feier des Sabbaths. Die festlichen Speisen standen aus dem Tische in den blanken Gefäßen, die Lampe mit duftigem Oele gefüllt, goß ihr mildes Licht über die glückliche Familie aus. Ich sage glücklich, denn Ephraim stellte sich heiter, um den Seinigen nicht die Sabbathfeier zu verderben; früh genug, dachte er, würden sie das Gräßliche erfahren. Mit schweigender Aufmerksamkeit hingen alle an seinem Munde, wenn er Worte der Belehrung, der Gottesfurcht zu ihnen sprach) alle ehrten seine Weisheit, seine Frömmigkeit, und wenn ihnen nun bekannt würde daß er bereits ein Christ, ein Abgefallner vom Glauben seiner Väter — er mochte sich diesen Gedanken nicht weiter ausmalen. Es war sonst Sitte in diesem Kreise, daß der Vater den. Seinen das Wort des Herrn aus der Schrift vorlas. Auch heute erinnerte ihn die Frau daran. Ephraim schauderte, denn er hielt sich nicht mehr für würdig, das heilige Buch zu berühren. Er faßte sich aber und sprach: „Ei, was sollte ich ein schlichter und ungelehrter Mann mir anmaßen zu lesen das göttliche Wort, da hier einer sitzt, zu dem man Rabbi sagt. Lies Du Emanuel." Trotz dem bescheidenen Weigern des jungen Mannes, wurde ihm das ehrwürdige Buch gebracht und mit voller männlicher Stimme begann er zu lesen. Lauschend horchte die ganze Versammlung seinen Worten, als er zur Stelle kam: Und es wird geschehen, so du beobachtest die Gebote des Ewigen deines Gottes und wandelst in seinen Wegen, werden die Völker der Erde von deinem Ruhme, von deiner Größe reden, gesegnet wird sein deine Leibesfrucht, die Frucht deines Erdbodens und die Frucht deines Viehes, gesegnet Dein Korb und dein Backtrog, all dein Händewerk. — So du aber brechen wirst meinen Bund, und dich wen-