Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 256)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2609281-3184082--1057-3185167- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ephraim Neu dl. 87 „Ihr Herren, ich bin dt geworden im Glauben meiner Väter," jammerte der Ittde. „Ick kann dir nickt helfen," sagte der Seadrrichter achselzuckend. Ephraim sank wieder auf die Bank und verhüllte sein Gesicht in den Falten des Kaftans. Die Wahl, die man ihm gelassen, war eine grausame, kam aber in jenen Zeiten, der Rechtslosigkeit nur ui oft vor. Zudem gähnen um diese Zeit in Wien die Keime der Judenverfolgung, welcke im nächsten Früblinge wirklich ausbrach. — Ephraim überlegte, daß sein Weib und seine Kinder, elend umkommen müßten, wenn man sie tit dieser Jahreszeit Hinausstoße, da der Winrer seit Jabren einer der fürchterlichsten war; sein Haus und Hof sollte ein gezogen werden. und die Liebe, die jeder Mensch zu seinem Eigenthum trägt, vereinigte sick mit der heiligeren Liebe zu seinem Weibe und zu seinen Kindern, daß es ihn mächtig zog, den Vorschlag anzunehmen; anderseits schauderte er vor dem Gedanken, den Glauben seiner Väter, dem er mir inniger Treue angehangen batte, und der ihm, wie jedem Juden um so theurer war, jemehr er stinetwillen geduldet und gelitten hatte, zu verlassen. Er zitterte vor den Strafen jenseits, wie sie den Abtrünnigen gedroht sind ', wie sollte er seinem Weibe, feilten Kindern, die er zur festen Treue angehalten hatte, plötzlich das Schreckliche bekannt machen. So in seiner Unentschlossenheit saß er da, bis die Stimme des Richters ihm von neuem zurieft „Nun Jude, was hast du beschlossen." „Habt Erbarmen," wimmerte Ephraim, „und lasset mich sterben in dem Glauben meiner Väter, in dem ich erzogen, in Dem ich alt worden bin." „Das kümmert uns nichts", sagte der Sradtrichter „es handelt sich darum ob du den Schwur der Reinigung leisten willst; das kannst du aber nur, so du eintrittst in den Schoos der allein seligmachenden Kirche." . „Ich kann nicht!" rief der Jude. „So habe das Gesetz seinen Lauf," fuhr der Richter fort, „ich wiederhole mein Urtheil, und verlange Eure Bestättigung,