Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 248)
- Language
- German
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Ephraim Neubl. 179 wird den so bärenhaft zutappen, Bruder Diether; komm' heraus die Nachtluft wird dich Mühlen." „Gott's Donner!" fluchte Diether, ihn zurückstoßend, „ich will sie einmal küssen; und weil sie noch putzig thut, zweimal oder dreimal oder so ost's mir beliebt; seht doch, die Judendirne soll sich geehrt fühlen, wenn unsereins sie küßt." Und mit ausgebreiteten Armen schritt er auf das geängstigte Mävchen zu, welches laut aufschreiend vor ihm entwich; er folgte ihr jedoch und kam trotz dem, daß sein Gehirn wüst und sein Gang wankend war, immer näher. Breitner, den es von Herzen reute, den Saufaus hereingebracht zu haben, gab einen theilnamslosenZuschauer ab, denn er wußte, daß jedes Einmischen einen noch höhernGrad von Wilvheit in Diether hervor zu rufen pflege. Das Mävchen von Angst und Schrecken erschöpft, war nahe darair in seine Hände zu falten, als plötzlich die T'hüre sich öffnete und die Sache eine andere Lage bekam. In der Thüre stand ein hoher stattlicher Jude im Reisepelz, ihm zur Seite ein junger blühender Mann, gleichfalls aus Israels Stamme und hinter ihnen, im Zwielichte der einbrechenden Nacht, sah mall drei oder vier bewaffnete Diener. Der Jude, dessen Kopf ächt patriarchalisches Gevräge trug, heftete seinen dunklen Blick fest auf die beiden Männer und fragte das Mädchen, welches mit einem Schrei des Entzückens an seinen Hals flog: „Was ging hier vor, Regina." „Sie wollten mich beleidigen," rief die Jungfrau sich an ihn schmiegend. Ephraim Neubl, denn es war der Hausherr, übergab seine Tochter dem jungen Manne, der zornglühende Blicke nach dell Fremden warf; er selbst trat auf diese zu und sprach ernst und würdevoll: „Ihr Herren, so es Euch genehm, verlaßt mein Haus, ihr habt hier, soviel ich weiß, nichts zu thun; so ihr aber eines Geschäftes wegen hier seid, so soll's mich freuen. Jeder anvere Hausherr hätte die ungebetenen Gäste vor die Thüre geschafft, aber Ephraims Seele, obwohl empfänglich für Ehre und Recht, ergab sich schweigend in die Kränkungell, welchen in jenen Zeiten der unglückliche Stamm nur zu oft ausgesetzt war.