Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 205)
- Language
- German
- Belongs to
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136 Das hohe Lied. Tragen Wasser, tragen Wasser! V Bei dem Mangel an dem Weine Weine Du mein Auge, weine Ströme Wassers, Ströme Wassers. Wie behagt Ihnen die Weinlaune des Dichters? sein komisch-tragisches Pathos? Einer Erklärung bedarf es nicht weiter; denn daß die Nechabiten keinen Wein tranken, sehen Sie aus dem Lied selbst, wenn Sie es nicht aus dem 35. Capitel des Jeremias wissen sollten. — Aber so lustig sind die wenigsten hebräischen Dichtungen; die meisten tragen einen ernsten, oft trüben Charakter; es ist das Mitgetheilte eben ein Purimlied und zum Purim gehört, wie gesagt, ausgelassene Lustigkeit, ja das Sprichwort sagt wohl von einem, der etwas ganz gegen seine Gewohnheit thut, „alle Tage betrunken und Purim nüchtern." — Um sie nicht zum Schluffe meines Briefes, oder vielmehr meiner Briefe, da Sie doch wohl in der nächsten Woche schon wieder hier sein werden, durch eine ergreifende Elegie im Geiste der Klagelieder Jeremia trübe zu stimmen, lasse ich hier nur noch ein kurzes Gebet (Adon Olam) folgen und zwar versprochner Maßen in einer Form- und möglichst wortgetreuen Uebersehungr O'Herr der Welt, du hast regiert, bevor noch ein Geschöpf entstand. Du sprachst: da stand das Weltall da und König warst du da genannt. Und herrschen wirst du einst allein, wenn einst das All in Nichts verschwand. Du warst und bist und hast auch stets in deiner Herrlichkeit Bestand, Bist einzig und kein Zweiter hält vor deiner Würde jemals Stand. Ohn'Anfang bist, ohn' Ende du, das Szepter ruht in deiner Hand, Du bist mein Gott, mein Heiland du, mein Hort in Noch und schwerem Stand, Panier bist du, wenn ich zu dir mich flehend habe hingewandt;. Im Schlafen und im Wachen geb' ich meinen Geist in deine Hand Und meinen Leib. Ich fürchte nichts, Gott ist mit mir; die Furcht verschwand.