Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 203)
- Language
- German
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134 Das hohe Lied. Gelehrten unserer Glaubensbruder gekannten. Die neuhebräische Poesie ist nach den Proben, die ich von ihr kenne, künstlicher, oft nur eine wunderbare Mussivarbeit aus der althebräischem Schon die Form weicht gänzlich ab und hat von der arabischen Poesie Silbenmaß und Reim entlehnt. Vor mir liegt eine vor langer Zeit gemachte Uebersetzung eines Purimliedes. Das -Original ist mir augenblicklich nicht zur Hand und ich kann Ihnen daher nicht einmal sagen, ob ich treu überseht habe; doch dafür will ich Ihnen dann auch noch ein zweites, ganz form- und worttreu übersetztes Gedicht mittheilen. Was das Purimfest zu bedeuten hat, wissen Sie; Sie freilich können sich dessen nicht mehr entsinnen, aber ich weiß es noch wenigstens dunkel, wie wir bei dem Vorlesen des Buches Esther in der Synagoge jedes Mal, wenn der Name Haman vorkam, mit eigens dazu fabrizi.rten Klappern Lärm gemacht, wie wir immer von Neuem wieder den Haman todt geschlagen. Und dann des Abends zogen Masken umher, die ein Fastnachtsspiel aufführten und deutsche Purimlieder sangen, rer Anfang von einem ist mir noch im Gedächtniß: Ich komm herein zu springen, Ich Hab kein Geld zu klingen. Wißt Ihr auch, Ihr lieben Leut, Wißt Ihr auch, was Purim bedeut' t Purim soll man Kreppchen essen Und den Haman nicht vergessen u. s. w. Kreppchen aber, inein Fräulein, sind ein prächtiges Essen und es ist wirklich Schade, daß die Aufklärung mit dem Hamanklappen auch das Rezept zu dem Kreppchen zu verdrängen sucht. Und darum, daß ich es nur offen gestehe, bin ich ein abgesagter Feind aller Aufklärung. — Und auch das kann ich an der Aufklärung nicht leiden, daß sie die jüdisch-deutschen Lieder verdrängt, die ich freilich auch nur noch vom Hörensagen kenne. — Aber, Scherz bei Seite, es wäre in mancher Hinsicht wünschenswerth, daß diese Lieder nicht so spurlos verschallten. So ist es gewiß bemerkenswerth, daß das Osterl ed „vom Zicklein, das gekauft mein Väterlein, um zwei Pfenniglein, sich bei den Deutschen, den Engländern und den heutigen Griechen wieder findet. Doch ich komme zu weit von meinem Thema ab. — Am Purimfeste ging es früher hoch her. Man überließ sich bei festlichen Gelagen zügelloser Freude und des Trinkens war kein Ende; aber bei einem Wirthe — Moses hieß er — ging einst bei dieser Gelegenheit der Wein zu früh aus. Da erhob einer