Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- – (sequence 150)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2609281-3184082--0951-3185061- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
©ett den heiligen Propheten hat es nicht an NLännern gefehlt, die Israel seine Fehler vorhielten. Es ist dies ein göttliches Gebot, dem keiner, der Berns hat, sich entziehen soll. Aber es darf nicht mit Haß und Dünkel, es muß aus Liebe, mit Schmerzen, es muß mit der Ueberzeugung geschehen, daß die Juden darum nicht schlechter als andere Nationen sind, die oft an noch schlimmeren Gebrechen leiden. Es bleibe vielmehr ein schönes Zeugniß für das Judenthum, daß es niemals seine Bekenner hat in der Irre gehen lassen, daß wir in seinen Lehren stets die Mittel und den Muth zum Zurechtweisen gefunden. In den Strafreden eines jüdischen Lehrers, der vor vier- bis fünfhundert Jahren m Spanien gelebt, sah ich so Manches, was auch unserer Zeit mit Nutzen gesagt sein kann: so gönne man folgenden seiner Worte ein aufmerksames Ohr, ein williges Herz! Es spricht die Salo m o: Wie mancher Große, der Gnade bei den Fürsten gefunden und mit Würden ausgezeichnet, mit Aemtern betrauet wurde, hat in seinem Neichthum und Glanz die Demuth vergessen und das allgemeine Elend! Israel gedachte nicht mehr seines Herrn, bauete sich Paläste, hielt sich kostbare Wagen und theuere Pferde, kleidete sich in prachtvolles Gewand, und die Frauen dieser Vorsteher und Beanrten trugen sich wie Fürstinnen, konnten nicht genug zur Schau stellen des Goldes, der Perlen und Edelsteine. Null wurden sie auch des Lernens und des Arbeitens überdrüßig, und ihre Jugend sröhnte dem Müßiggänge, der Spottlust, derHerrschsucht. Gesetz und Weisheit, die sie als das Unterpfand ihres Heiles voir den Vätern geerbt, wurden in den Winkel geworfen; Jeder jagte nach Aemtern, der Eine gönnte dem Anderen weder Brod noch Ehre; gegenseitig verleumdeten sie sich bei den Räthen der Krone, bei dem hohen Adel. Gegen die Schwachen.