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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1845-01-01 · 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845) · p. Seite 76

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
Date
1845-01-01
Page
Seite 76 (sequence 148)
Language
German
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76 Geschichte der Juden in Ungarn. Man könnte billiger Weise fragen, warum man nicht die sträflichen Juden bestraft, die redlichen aber, an denen es ja gewiß auch nicht gefehlt hat, in ihren Aemtern belassen habe; man könnte mit noch größerem Rechte fragen, warum das Gesetz auch die künftigen, noch nickt gebornen jüdischen Geschlechter als des Vertrauens unwürdig gebrandmarkt habe: aber es sind nicht die Nechtsverhältnisse der ungarischen Juden im dreizehnten Jahrhunderte allein, die eine solche Frage trifft. So viel ist klar, daß das im Gesetze ausgesprochene Mißtrauen nicht ohne Einfluß aus die öffentliche Meinung bleiben konnte, und manche Uebelstände herbeiführen mußte. Noch jetzt oerweilen manche Schriftsteller Bet Besprechung ungarisch-jüdischer Verhältnisse mit besonderer Vorliebe bei den Zeiten des zweiten -Andreas, und ergehen sich dabei, in mancherlei erbaulichen, nicht schwer zu errathenden, Betrachtungen. -Aber sie erweisen den von ihnen Angeklagten zu viel Ehre, wenn sie wie bei den politischen und sittlichen Zuständen Ungarns unter Andreas II. von den jüdischen Einwohnern allein erwarten, daß sie sammt und sonders als Lugendhelden dem Strome der Zeit widerstehen, und aus den Versuchungen, denen geweihte Priester unterlagen, siegreich und unbefleckt hervorgehen sollten. Anerkennenswert!) bleibt es aber doch anderer Seils, daß es im dreizehnten Jahrhunderte, welches Leibnitz das Dümmste aller Jahrhunderte nennt, und unter Andreas dem Jerusalem mitaner bei einer einfachen Amtsausschließung der Juden blieb, und zu keiner Verfolgung kam. Und da wir von einer Aeußerung des Volkshasses gegen die Juden nichts lesen, so sind wir zu dem Schluffe berechtigt, daß daS ungarische Volk die Ursache seines Druckes besser einsah, als manche seiner spärern Chronisten und Publizist^ 1 Von den innern, kirchlichen und wissenschaftlichen Bestrebungen der ungarischen Juden dieser Epoche ist nichts zu berichten. Nicht der Name Eines Gelehrten , ja nicht Eines Rabbiners ist auf unsere Zeit gekommen. Bei dem Gange, welchen die Verbreitung jüdischer Studien in Europa nahm, ist es auch leicht zu erklären, daß damals und noch einige Jahrhunderte später jene Studien in Ungarn keine Ausnahme geftmden haben.

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