Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- – (sequence 77)
- Language
- German
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cv Oit dem langen, nunmehr dreißigjährigen Weltfrieden haben die Elemente des Streites m alten geistigen Beziehungen Zeit gehabt sich ungestört zit entwickeln und eine nachhaltige Kraft zu erlangen. Die Zeit drängt nicht zur Versöhnung, und jede Richtung har Muße, sich bis zu ihrem äußersten Ertrcm auszuarbeiten. Die fortschreitende Bildung einerseits und die dem Bestehenden einwohnende Kraft der Eristenz andererseits müssen von selbst in Zwiespalt kommen. Dazu kömmt, daß unserer Zeit wesentlich die Intelligenz der Kritik zugehörig ist, daß es ihr aber an der productiven Kraft, eigene Schöpfungen für eine lange Zukunft aufzubauen, gebricht. Was unsere Zeit hervorbringt, ist, wenn sie es heute geschaffen, morgen veraltet. Denn in dem ewigen Fortdrängen ist bald wieder ein Neues heraufgefördert, was das Gestrige in Schatten stellt. Nicht zu vergessen sind aber auch die Leidenschaften des Tages: ein maaßloser Ehrgei z, der jedes, nur irgend begabte Individuum dahindrängt, sich aus irgend eine Weise auszuzeichnen, und die Unbeständigfett des Geschlechts, die sich so bald übersättigt, und stets zwischen dem aufflackernden Feuer des Enthusiasmus und der Eiseskälte des Zndifferentismus hin- und herschwankt. Diesem gegenüber muß das Bestehende um so mehr zur Reaktion geneigt und berufen sein, und ihnr oft genug aus den Fehlem der Gegenparthei eine Kr afterwachsen, welche ihm gegen die Bedürfnisse der Zeit schon zu fehlen begann. Alles dies macht sich auch sattsam auf dem Gebiete des Iudenthums fühlbar und geltend, und die altgenreine Anlage der Zeit und die Leidenschaften der Individuen haben in ihm einen großen Raum gewonnen. I*