Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 3 Jahrgang = Schaltjahr 5605 (1844)
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 245)
- Language
- German
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102 Weise Lehren aus dem 6. Der "Tod -es Frommen. Die herben Leiden in den verflossenen Jahrhunderten haben unfern unglücklichen Voreltern nicht bloß das Leben verdittert, sondern auch die Todesstunde getrübt. An der Welt zwar hatten sie wenig zu verlieren, und gern gaben sie um ihres Gottes willen 'Alles, auch ihr Leben hin; aber die sich stets erneuenden Verfolgungen als Strafgerichte des Himmels betrachtend, wurden sie von seinem Zorne immer mehr eingeschüchtert und geängstigt, in ihrem Vertrauen zu sich immer mehr erschüttert. (Woher die höchst übertriebenen Selbstanklagen in den ודוייס und סלחות). Bei solcher Anschauungsweise mußte ihnen das Erscheinen vor dem strengen Richter bange machen, und vermochte der festeste Glaube an Unsterbllchkeit und Auferstehung die Todesfurcht nicht ganz zu banneu. Daß diese Furcht auf israelitischem Boden nur als Frucht irriger Ansichten (wozu die spätere Mystik das ihrige beigetragen) oder mangelhafter religiöser Bildung dastehen komme, und daß unsere Alten eine würdige Vorstellung vom Tode gehabt, ist jedem Kenner des Judenthums hinlänglich bekannt, leuchtet aber besonders schön aus folgender Agadah hervor. Als Moscheh mit 'Aharon und dessen Sohne Eleasar den Berg Hör bestieg, scheuete er sich jenem rundweg zu sagen: ״Es ist deine Zeit gekommen, von dieser Welt zu scheiden," und leitete daher diese Ankündigung mit folgenden Worten ein: ״Weißt du wohl, lieber Bruder, was von Abraham geschrieben stehet?" — A. ״Was denn?" M. ״Du wirst eingehen zu deinen Vätern in Frieden" (1. B. M. 15, 15.). Aber Aharon merkte noch nicht, wohin daS zielen sollte; Mos. fragte daher weiter: ״Wenn der Heilige, gelobt sei er, nach hundert Jahren dir ankündigte, daß du sterben mäßest, was würdest du dazu sagen?" — A. ״Er ist gerecht." — M. ״Und wenn er es hellte dir ankündigte?" A. ״Gerecht ist der Richter, mit Vertrauen ergebe ich mich ihm." —