Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 3 Jahrgang = Schaltjahr 5605 (1844)
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 210)
- Language
- German
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156 Glühende Kohlen. Der Erlös von Naphtalis Goldmünze war bereits aufgezehrt und ein heftiges Fieber hatte den erschöpften Rodriguez auf's harte Strohlager geworfen. Der hartherzige Wirth hatte es ihnen schon angekündigt, daß er sie nur noch diese Nacht über bei sich behalten wolle, mit dem ersten Morgenrufe des Hahnes aber mögen sie irgendwo anders Unterkunft suchen. Es war eben nach dem Mittagsmahle. Taktmäßig nickre der am Schenktische eingeschlafene Wirth mit dem Kopfe, und auch die am vergitterten Fenster hingestreckte gefleckte Katze schien dem löblichen Beispiele ihres Herrn gefolgt zu sein. Neben dem unerquicklichen Lager des bald fröstelnden, bald in Fieberhitze erglühenden Rodriguez saß traurig Naphtali, düster vor sich hinbrütend. Da wurde mit einem Male die drückende Stille gestört, und alle Bewohner der Stube fuhren insgesammt auf, als sich mit Geräusch die Thüre öffnete, und ein neuer Gast eintrat, dessen eigenthümliche Reiterkleidung ihn als einen königlichen Staatsboten erkennen ließ. Die lederne Tasche von der Schulter nehmend, warf er sie auf eine Bank, und auch die.kothbespritzre Kopfbedeckung folgte der Tasche. Da erkannte der noch halbwache Wirrh den Fremden. „Ei! Freund Holmskjöld!" begrüßte er denselben. Das ist schön, daß Ihr uns wieder ein Mal besucht, um unsere altgebacknen Neuigkeiten durch nagelneue auf's Haupt zu schlagen! 'S ist schon bald ein halbes Jahr, mein ich, daß Ihr nicht in unserem Städtchen ward!" „Ja" erwiederte der Bote, „'S ist wahr! aber deßhalb will ich auch die paar Tage, die ich hier zu verweilen habe, so recht nach Herzenslust benützen. Vor allem Andern aber, Meister Wirth, gebt mir was Herz-- und Magenstärkendes, denn der heutige Ritt hat mich verteufelt hergenommen." Eiligst lerstete der Wirth dem Wunsche des neuen Gastes Folge, und der verlangte Imbiß nebst einer« wohlgefüllten