Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 3 Jahrgang = Schaltjahr 5605 (1844)
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 209)
- Language
- German
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155 Glühende Kohlen. welcher dieser seinen Gebiether zu belohnen strebte, wardiesem, wenn wir so sagen dürfen, gerade nicht durchaus erfreulich; denn solchergestalt konnte Rodriguez seine reuevolle Seele nicht befriedigen, weil er doch immer Naphtali's Schuldner blieb. Lange war Rodriguez in allen seinen Unternehmungen glücklich gewesen; mir einem Male aber wendete sich sein Geschick, und ein harter Schlag folgte dem andern,— mißglückte Spekulationen, Krankheit und die Bothen des hilflosen Alters; und endlich vernichtete eine bedeutende Handelskrisis seiner Zeit sein letztes Vermögen, und Rodriguez ward zum Bettler.— Arm, schwach, kränklich und alt, verließen ihn alle Freunde seines Glanzes, und nur N a p h tat i, dessen eigentliches Lebensglück er zerstörte, und das er vergebens wieder aufzubauen suchte, nur Naphtali, der Sohn, des durch Rodriguez verrathenen und gemordeten Asrielo, nur Naphtali, der ein Mitglied war jener Gemeinde, die unter dem Schwerre bluteten, das Rodriguez herbeigerufen hatte, nur dieser Naphtali blieb ihm treu, hielt als ein getreuer Knecht unveränderlich bei dem verlassenen unglücklichen Herrn aus! In der dürftigen Lage in welche Rodriguez nun versetzt war, blieb ihm nichts übrig, als zu einem im Norden Dänemarks lebenden Verwalkten zu ziehen, um daselbst die noch wenigen Jahre seines Daseins zu verleben. Die Mittel aber, zur Ausführung dieses Planes waren bald zu Ende, und den Verwandten brieflich um Unterstützung zur Weiterreise anzusprechen, dazu war Rodriguez zu stolz. Nachdem Rodriguez und Naphtali in jenem dänischen Srädchen angelangt waren , von dem gleich im Anfänge dieser Erzählung die Rede war, hatten sie kaum die Hälfte ihrer Wanderung zurückgelegr, und, wie der freundliche Leser sich noch erinnern wird, ihr ganzer Reiseschatz war erschöpft. Wir wollen nun zu Rodriguez und Naphtali, den beiden müden Wanderern, in die Herberge zurückkchren.