Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 3 Jahrgang = Schaltjahr 5605 (1844)
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 201)
- Language
- German
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147 Glühende Kohlen. Verlauf einiger Jahre nahm er eine Verwandte seiner Gattin zum Weibe, in der Voraussetzung, daß eine solche mit natürlicherer Liebe den mutterlosen Kindern zugethan sein werde, und er hatte sich auch hierin nicht gerauscht, denn Judith, so hieß das Weib, lrebte wirklich ihre Stiefkinder mit der Wärme und Zärtlichkeit einer wahren Mutter. Judith war überdies; jung und schön, sie glich in vielen Beziehungen der lieblichen Esther, nur waren ihre Formen voller, üppiger, und ihrTemperamenrwarmehr sanguinischer Natur, während E st h er einen Anstrich von Melancholie besaß. Uncer den vielen Geschäftsfreunden, welche Asrielo am häufigsten besuchten, warRodriguez einer der am liebsten Gesehenen, und es dauerte nicht lange, so war die Scheidewand gebrochen, welche die Verschiedenheit ihrer Religionen zwischen sie stellte, und As r ielo's Familie nahm denFreund Rodriguez um so freudiger und hingebender auf , als sie demselben nach langem Zögern das Geheimnis; ihres Glau-- bens vertrauten, und Rodriguez sich ihnen dennoch nur immer inniger anschloß, was unrer den damals obwaltenden Religionsverhältnissen wohl nicht zu erwarten gewesen wäre. Joel Asrielo war also glücklich zu nennen, denn er besaß Reichthümer, ward von Allen, die mit ihm umgingen geachtet, und theilce froh und warm sein Herz zwischen seinem schönen, jungen Weibe, seinen geliebten Kindern, und dem vorurtheilsfreien Freunde. Aber die schönsten Früchte sind es gewöhnlich, welche der nagende Wurm sich zum Sitze wählt, und so sollte denn auch bald der heitere Gesichtskreis, der diese Familie umschloß von den Feuergluthen des Weh's gerörhet werden! Ach, schöne Judith, warum mußten deine blauen Augen solch' verzehrende Gluth lodern? Warum war dein schwellender Corallenmund so unwiderstehlich, so nach beseeligenden Küssen lüstern machend? Warum, A sr ielos Weib, warum mußte dein Anblick der, riesenhaft emporwuchernde Keim heißester Leidenschaft werden? Ach, Judith, warum mußtest du so schön sein?! Und du, Asrielo, warum vergaßest ■1a *