Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 3 Jahrgang = Schaltjahr 5605 (1844)
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 197)
- Language
- German
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Glühende Kohlein lif sich hinstarrenden jungen Mannes Hand, zog ihn zärtlich näher zu sich, und, wie ein liebender Vater seinem Kinde, strich er ihm die wild herabhängenden schwarzen Haare von der hohen geistkündenden Stirne. „Und kannst Du denn nimmer" redete er in einem etwas unsicheren ToneNaphtali an, „und kannst Du den nimmer jene Szenen des Gräuels vergessen! Und lebt denn in der Tiefe Deiner Brust noch immer der alte Schmerz mir nie altender Kraft!" „Vergessen!" rief hier Naphtali aus, und blickte schmerzvoll zum Himmel auf. „O Herr, wer kann das vergessen? Vergessen wollt' ich die frohen Stunden der Jugend im siisien Heimathlande, vergessen wollt' ich den Liebeskußder zärtlichen Mutter, vergessen den duftenden Kranz der mich an meine theuere Schwester so berauschend fesselte, vergessen die Pracht, welche meines Vaters Haus ausstrahlte!— Alles, Alles wollt' ich so gerne vergessen; nur jene Stunde, da die blutgierigen Männer meine Lieben Alle, wie gehetztes Wild mordeten, jene fürchterliche Stunde,— o, du mein Gott, wer kann eine solche vergessen!" Eine grosie Thräne entperlte dem Auge des Klagenden, und auch des alten Mannes hatte sich eine unbeschreibliche Unruhe bemeiftert, die er vergebens zu verbergen strebte; und eine tiefe Stille beherrschte nun die Szene. Die Sonne war indes; vollends untergesunken, die Dämmerungswolken zogen bereits, immer gespenstischer und dunkler werdend, am erlöschenden Himmel herein, und kühle Nachrluft wehre unheimlich über die weite, graue Flache daher. Es war nun höchste Zeit, daß die beiden Wanderer ihre Reise fortsetzten; denn der schwere Mantelsaum der Nachr hatte bereits die Erde berührt, und das zu erreichende Stäbchen war noch eine bedeutende Strecke entfernt. Naphtali legte daher seinem Herrn den eigenen Mantel um die Schultern, und so setzren sie schweigend ihre Wanderung fort, wie vorhin, der Alte auf seinen Gefährten gestützt, und wie trauernde Nebelgestalten schricten sie dahin.