Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 3 Jahrgang = Schaltjahr 5605 (1844)
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 152)
- Language
- German
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94 Pia <iesideria und Talent immer zuvorderst zum Opfer zu bringen habe, den unbilligsten unserer Epoche zuzuzählen kommt. Vielmehr erschiene es Sache der Reichen und Wohlhabenden unter uns ein solches Unternehmen materiell dadurch zu fordern, das; sie nach Kräften aus eine gewisse Anzahl Exemplare pränumerirten, und die überflüssigen in ärmeren Gemeinden vertheilten, durch solche vervielfältigte Theilnahme aber den Verleger in den Stand setzten, einen so billigen Preis zu stellen, daß der Unbemittelte sich veranlaßt fände, ein solches Blatt zu halten. Mochten diese hingeworfenen Worte so glücklich sein, die rechten Männer für diese Idee zu erwecken, welche ihr dann wohl leicht eine noch zweckmäßigere Gestaltung abgewinnen, dadurch aber nach meiner Ueberzeugung ein Erkleckliches zum Besten ihrer Glaubensgenossen stiften werden. 2. Eine Sammlung jüdischer S p r ü ch w ö r t e r. Das Sprüchwort kann füglich als Tradition volksthümlicher Weisheit und Klugheit angesehen werden, und vielleicht ist dieses Moment bei Erforschung der Sitten- und Culturgeschichte verschiedener Völker noch zu wenig beachtet worden. Den Israeliten insbesondere galt das Sprüchwort zu jederzeit viel, und gar Mancher, der sonst wenig gelernt hatte, verdankte sein ganzes Lebensglück einem solchen Stück Lebensweisheit, einem oder dem andern gut gewählten, in der Handlungsweise consequent durchgeführtett Sprüchwort. Spielt doch selbst in der ältesten und am höchsten gehaltenen Litteratur der Juden das Sprüchwort eine erhebliche Rolle, da wie bekannt die Sprüche Salomonis, der Prediger Salomo, die Pirke Abboth nichts anders als gewählte Spruchsammlungen sind, überdieß aber das Sprüchwort sich auch sehr häufig im Talmud zerstreut vorfindet. Heutigen Tages, wo die alles überfluthende Cultur der Zeit das Studium jener Schriften immer mehr vernachlässigen läßt, anderseits aber auch hierdurch die bloß traditionell überkommenen Sprüchwörter sich weniger Eingang zu verschaffen wissen, dürste eS nicht